Naturgefahren: Tierseuchen

Vogelgrippe-Übung, Ueberstorf, 2007
Vogelgrippe-Übung, Ueberstorf, 2007 © Alle Rechte vorbehalten - Protection de la population
Vorstellung

Seit jeher können Viren und Bakterien Tiere verseuchen, sich mit verschiedenen Überträgern verbreiten und ganze Viehbestände dezimieren (Tierseuche). Zudem sind einige Keime auch gefährlich für den Menschen (Zoonose) und können sogar mutieren, auf den Menschen übertragen werden, virulent sein und eine Pandemie verursachen.

Angesichts dieser Situation hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) Richtlinien erlassen, um die kantonalen Zuständigkeiten im Rahmen der Umsetzung der Schutzmassnahmen festzustellen.

Im Fall einer hochansteckenden Tierseuche (HA Tierseuche) in unserem Kanton sollen diese Schutzmassnahmen auf kantonaler Ebene richtig umgesetzt werden.

Folgende Tierseuchen  werden als hochansteckende Tierseuchen betrachtet:

  • Maul- und Klauenseuche
  • Vesikuläre Stomatitis
  • Vesikulärkrankheit der Schweine
  • Rindernpest
  • Pest der kleinen Wiederkäuer
  • Lungenseuche der Rinder
  • Dermatitis nodularis (Lumpy skin disease)
  • Rifttalfiber
  • Schaf- und Ziegenpocken
  • Pferdepest
  • Afrikanische Schweinpest
  • Klassische Schweinepest
  • Geflügelpest (Aviäre Influenza)
  • Newcastle Krankheit

Gefahren

Tierseuchen bilden eine Gefahr für die Tiere, die Umwelt, die Wirtschaft und manchmal den Menschen.

Ist die Krankheit des Tieres nicht auf den Menschen übertragbar, dann ist die Gefahr für den Menschen begrenzt. Im Falle einer Zoonose hingegen ist  die Gefahr, je nach der Virulenz der Krankheit, erheblich höher für den Menschen.

Auf wirtschaftlicher Ebene kann eine Tierseuche einen langfristigen Verlust an Vertrauen der Konsumenten gegenüber der betroffenen Tochtergesellschaft und sogar dem exportierenden Land verursachen. Zudem verursacht das Schlachten der Tiere hohe finanzielle und psychologische Kosten für die Landwirte.

Schliesslich können auch die Böden von den für die Desinfizierung der kontaminierten Gelände verwendeten Chemikalien verseucht werden.

Nachfolgende Gefahren:

  • Epidemie

Begriffserklärungen

Tierseuche
Eine Tierseuche ist eine vom Tier zu Tier übertragbare Krankheit. Sie kann einen viralen, bakteriellen oder parasitären Ursprung aufweisen. Sie kann auch ein zoonotisches Potenzial haben.

Hochansteckende Tierseuche
Hochansteckende Tierseuchen (HA Tierseuchen) sind besonders schlimme Tierseuchen, weil:

  • sie sich schnell innerhalb und ausserhalb der nationalen Grenzen verbreiten;
  • sie gesundheitliche, soziale und wirtschaftliche Folgen aufweisen;
  • sie auf den nationalen oder internationalen Handel mit Tieren und Tierprodukten Auswirkungen haben.

Zoonose
Die Zoonosen sind Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen und umgekehrt übertragbar sind.

Ereignisbeispiele

2003 - Vogelgrippe (H5N1)
Die Aviäre Influenza ist eine akute, hochansteckende, fieberhaft verlaufende Viruserkrankung bei Vögeln (insbesondere Truten und Hühner). Bei Menschen kann eine Ansteckung zu grippeähnlichen Symptomen und vereinzelt zu einer tödlich verlaufenden Lungenentzündung (Pneumonie) führen.
Die Vogelgrippe wurde zum ersten Mal im Jahr 1997 in Hongkong und im angrenzenden Gebiet der Volksrepublik China registriert.
Die angeordnete Tötung der Hühnerbestände schien zunächst zur Ausrottung der Seuche geführt zu haben. Im Jahr 2003 traten in dieser Region jedoch erneut Fälle von H5N1 beim Geflügel auf. Es wurden auch Ansteckungen von Menschen mit zum Teil tödlichem Ausgang in Süd-Ost Asien beobachtet. Trotz der massiven Bekämpfungsmassnahmen breitete sich die Seuche bis nach Europa aus, wo sie vor allem im Winter 2005/2006 bei zahlreichen toten Wildvögeln nachgewiesen werden konnte. In der Schweiz wurden vereinzelte tote Wildvögel mit H5N1 gefunden.

2001 - Maul- und Klauenseuche (MKS)
Maul- und Klauenseuche (MKS) ist eine akute Viruserkrankung der Paarhufer, wie z. B. Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen. Sie verursacht hohes Fieber und schwerwiegende Schleimhautläsionen im Maulbereich und an den Klauen. Tiere zeigen nach überstandener Krankheit massive Leistungseinbussen (Milchrückgang, Rückgang in Mastleistung). Für Menschen ist MKS aber ungefährlich.
Die Krankheit ist hoch ansteckend und kann sich sehr rasch über grosse Distanzen ausbreiten.
Personen können nach vorgängigem Kontakt mit infizierten Tieren das Virus in MKS-freie Bestände einschleppen. Auf Seuchenbetrieben müssen alle Tiere, die sich anstecken könnten, sofort getötet und Stallungen, Gerätschaften, Gülle, Mist und Futter entsprechend aufwändig dekontaminiert werden.
Die Krankheit ist in Teilen Asiens, Afrikas, des Nahen und Mittleren Ostens und Südamerikas verbreitet.
2001 fielen ihr in Grossbritannien sechs Millionen Tiere zum Opfer, die direkten Schäden betrugen rund 12 Mrd. EUR. In der Schweiz wurde der letzte Fall 1980 registriert.

1996 - Bovine spongiforme Enzephalopathie (Rinderwahnsinn)
Die bovine spongiforme Enzephalopathie ist eine degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems, die Rinder ansteckt und auch auf den Menschen übertragbar ist. Sie wurde zum ersten Mal im Jahr 1986 in Grossbritannien gekennzeichnet.
Ab 1998 verbreitet sich die Krankheit in epizootischer Weise in Grossbritannien.
180'000 Fälle wurden zwischen 1988 und 2000 festgestellt. Im März 1996 wurden die zehn ersten seit 1995 in Grossbritannien festgestellten Fällen einer neuer Variante der Creutzfeld-Jakob-Krankheit veröffentlicht. Diese Meldung hat eine europäische Krise ausgelöst, die zu einer starker Senkung des Rindfleischverbrauchs und zu einer sehr bedeutsamer Verstärkung der präventiven und vorsorglichen Massnahmen betreffend einer vermuteter, aber nicht nachgewiesener Risiko für die öffentliche Gesundheit führte. Am 1. Juni 2009 wurden in Grossbritannien 167 Fälle dieser neuer Variante der Creutzfeld-Jakob-Krankheit festgestellt, 23 in Frankreich und 20 im Rest der Welt. Angesichts der mangelnden Kenntnisse über die durchschnittliche Inkubationszeit (zwischen zehn und dreissig Jahren) lässt sich die Entwicklung der Fallzahlen bei den Menschen nur schwer absehen.

Verhaltensempfehlungen

Weist die Krankheit ein zoonotisches Potenzial auf, wird empfohlen, sich der potenziell betroffenen Betriebe nicht zu nähern. Die Personen, die den Kontakt mit den Tieren nicht vermeiden können, müssen integrale Schutzmassnahmen inkl. Luftfilter treffen.

Der Konsum von Lebensmitteln ist durchaus möglich, aber es ist sicherzustellen, dass die Nahrung pasteurisiert, gut gebacken oder gekocht wurde.

Die erfolgten Empfehlungen bei H5N1/H1N1 (z.B. Hände waschen) hinzufügen

N.B.: Hände mit Seife waschen ist ausreichend!

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