Museum für Kunst und Geschichte - die Sammlung

29. Oktober 2018 -16h40

Das Museum für Kunst und Geschichte Freiburg sammelt hauptsächlich Kunstwerke und historische Gegenstände, die aus dem Kanton Freiburg stammen oder aus anderen Gründen für ihn wichtig sind. Eine Reihe von Objekten innerhalb dieser autochthon geprägten Sammlung sind jedoch von internationaler Bedeutung: so etwa die frühmittelalterlichen Gürtelschnallen, das Ostergrab aus dem Kloster Magerau, die Tafelgemälde von Hans Fries, die spätgotischen Skulpturen, Werke der Künstlerin Marcello und ihrer Freunde sowie Plastiken von Jean Tinguely und Niki de Saint Phalle.

Ein Jahrhundert des Fortschritts / Die Christliche Republik

Dauerausstellung
Ein Jahrhundert des Fortschritts / Die Christliche Republik
im Museum für Kunst und Geschichte

Im 19. Jahrhundert ist der Kanton Freiburg wegen – oder trotz – militärischer Niederlagen (zwei Invasionen in fünfzig Jahren) und politischer Wirren (Revolution, Revolten, Staatsstreiche...) vom Fortschrittsglauben geprägt.

 

Das Erziehungssystem und die wissenschaftliche Tätigkeit verbessern sich dank zwei aufgeklärten Männern, dem Chorherrn Aloyse Fontaine (†1834) und Pater Gregor Girard, und dank freisinnigen Reformpädagogen (Alexandre Daguet, †1894). Der Bau der grossen Hängebrücken (1830er Jahre) und der Eisenbahn (1860er Jahre) unter dem Einfluss von Julien Schaller und Louis de Weck-Reynold bringen den Handel wieder in Schwung. Freiburg ist die zweite Stadt der Schweiz, die elektrifiziert wird; gegen Ende des Jahrhunderts entsteht auf der Perolles-Ebene eine erste Industrieanlage.

 

Aber die Modernisierung, auch jene der Landwirtschaft, stösst im ökonomischen Bereich auf geringeren Widerstand als im gesellschaftlichen und kulturellen. Hier kann sie sich nur zögerlich durchsetzen, denn besonders die Landbevölkerung steht unter straffer klerikaler Aufsicht und vertritt eine konservative Haltung.

 

Die Christliche Republik

 

In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts entsteht in Freiburg als Gegenposition zur freisinnigen Schweiz eine ungewöhnliche Regierungsform, die Christliche Republik.

 

Dieses System wird vom Chorherrn Joseph Schorderet (†1893), einem eigenwillig prophetischen Pressemann, entworfen und vom charismatischen Staatsrat Georges Python (†1927) verwirklicht. Die Christliche Republik fusst auf der Idealvorstellung eines sozialen Reiches Christi; ihr – fernes – Vorbild ist die theokratische Diktatur des Generals Garcia Moreno in Ecuador. Die Regierungsform zeichnet sich durch einen kämpferischen Katholizismus aus, dessen ultramontane Grundzüge auf die Bischöfe Pierre-Tobie Yenni (1815–1845) und Etienne Marilley (1846–1879) zurückgehen.

 

Über lange Zeit wird der Kanton Freiburg von Grundzügen der Christlichen Republik gezeichnet bleiben: politischer Isolation, paternalistischem Sozialwesen und Staatskapitalismus (Bank, Elektrizität, Eisenbahn). Er verdankt der Regierung Python jedoch auch die Gründung der Universität, unter deren Protagonisten besonders der französische Dominikaner Joachim-Joseph Berthier (†1924) zu erwähnen ist.

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