Immaterielles Kulturerbe der Unesco: Kanton Freiburg hat dem Bund seine Vorschläge vorgelegt

10. Mai 2011 -09h30

Der Bund will zusammen mit den Kantonen ein Inventar der lebendigen Traditionen in der Schweiz erstellen. Diese sollen anschliessend ins immaterielle Kulturerbe der UNESCO aufgenommen werden. Der Staatsrat hat die Vorschläge für den Kanton Freiburg genehmigt, die gestützt auf die Arbeiten einer Freiburger Expertengruppe zusammengestellt worden sind.

Diese Inventarisierung erfolgt im Rahmen der Umsetzung des UNESCO-Übereinkommens zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes, das die Schweiz im Jahr 2008 ratifiziert hat. Als immaterielles Kulturerbe wird lebendiges Kulturgut (traditionelle kulturelle Ausdrucksformen, lebendige Volkskultur) bezeichnet, das von einer Generation an die nächste weitergegeben wird und den Gemeinschaften und Gruppen ein Gefühl von Identität und Kontinuität vermittelt.

Das Amt für Kultur der Direktion für Erziehung, Kultur und Sport (EKSD) hat das Greyerzer Museum damit betraut, ein Inventar der lebendigen Traditionen des Kantons zu erstellen. Dieses bildete für diese Aufgabe eine Expertengruppe unter der Leitung von Isabelle Raboud-Schüle, der Direktorin des Greyerzer Museums. Nach Abschluss der ersten Phase ihrer Arbeiten wählte die Expertengruppe unter den wichtigsten lebendigen Traditionen Freiburgs Folgende aus:

  1. das Wissen der Käser um die Herstellung des Greyerzer Alpkäses (und des Freiburger Vacherin), einschliesslich die damit verbundenen Traditionen wie der Alpabzug, Alpenlieder im Gesangsrepertoire und das Tragen der Sennentracht;
  2. der Kuhreihen (Ranz-des-vaches) im Greyerzer Patois und in Französisch (einschliesslich dessen Darbietung durch die Freiburger am Winzerfest in Vevey);
  3. die Poya-Malerei / Darstellungen des Alpaufzugs;
  4. das Handwerk der Schindelmacher;
  5. das Nikolausfest in der Stadt Freiburg;
  6. die Kilbi (Bénichon), an bestimmten Daten im gesamten Kanton begangenes Erntedankfest;
  7. Maisingen (der Kinder, jeweils am 1. Mai);
  8. das Fronleichnamsfest mit der Beteiligung der "Confrérie du Saint-Sacrement" in Freibur (und Fronleichnam in Düdingen mit den Trachtenfrauen);
  9. das Todengedenken mit den damit verbundenen Friedhofsbräuchen an Allerseelen (2. November, im Anschluss an Allerheiligen am 1. November), aber auch die Nachrufe in der Lokalpresse, die Fotos von Verstorbenen oder die Leichenhalle, die Bestattungsriten, insofern diese besondere Aspekte aufweisen;
  10. die Bräuche der Karwoche (Prozession der Pleureuses (Klageweiber) in Romont, Surrexit in Estavayer-le-Lac);
  11. die Gedenkfeierlichkeiten zur Schlacht von Murten mit der Solennität in Murten (Jugendfest am 22. Juni), dem historischen Murtenschiessen und dem Murtenlauf (von Murten nach Freiburg);
  12. der Chorgesang an den Cäcilienfeiern mit den Cäcilienvereinen (Kirchenchöre);
  13. das Theater im frankoprovenzalischen Dialekt und im Deutschschweizer Dialek (Senslerdeutsch);
  14. die Tradition des Geistheilens und die anerkannte Tätigkeit der Heilerinnen und Heiler;
  15. das Dreikönigsfest (6. Januar, von den Musikgesellschaften organisierte Apéros oder Essen zum Dreikönigstag);
  16. ein oder mehrere Heiligenfeste, z. B. St. Antonius im Sensebezirk;
  17. die Mariengrotten "Lourdes-Grotten" (Pflege dieser kleinen Gebetsstätte durch Private, stark frequentierte Orte, Kerzen);
  18. das Fondue als Mahlzeit.

Laut den Informationen des nationalen Projektleiters kann der Kanton Freiburg in dieser Phase acht
Vorschläge einreichen. Gestützt auf die von der Expertengruppe zusammengestellte "breite" Liste
schlägt der Staatsrat dem Bundesamt für Kultur (BAK) folgende acht lebendige Freiburger
Traditionen vor:

  • das Wissen der Käser um die Herstellung des Greyerzer Alpkäses (und des Freiburger Vacherin), einschliesslich die damit verbundenen Traditionen wie der Alpabzug, Alpenlieder im Gesangsrepertoire und das Tragen der Sennentracht;
  • der Kuhreihen (Ranz-des-vaches) im Greyerzer Patois und in Französisch (einschliesslich dessen Darbietung durch die Freiburger am Winzerfest in Vevey);
  • die Poya-Malerei / Darstellungen des Alpaufzugs;
  • das Fondue als Mahlzeit (eventuell zusammen mit dem Kanton Neuenburg);
  • das Handwerk der Schindelmacher (eventuell zusammen mit dem Kanton Neuenburg);
  • das Nikolausfest in der Stadt Freiburg;
  • die Kilbi (Bénichon), an bestimmten Daten im gesamten Kanton begangenes Erntedankfest;
  • die Tradition des Geistheilens und die anerkannte Tätigkeit der Heilerinnen und Heiler(eventuell zusammen mit dem Kanton Jura).

Die Expertengruppe hat für jede dieser Traditionen eine ausführliche Beschreibung erarbeitet, die dem BAK übergeben wird.

Der Staatsrat wird später noch Gelegenheit haben, zu den Schlussfolgerungen und Vorschlägen, die das BAK dem Bundesrat unterbreiten will, Stellung zu nehmen. Schlussendlich wird der Unesco nur eine kleine Auswahl von Vorschlägen (etwa zwanzig) für die gesamte Schweiz vorgelegt, wovon lediglich fünf oder sechs ins immaterielle Kulturerbe aufgenommen werden.

Es ist aber geplant, ein kantonales Inventar der lebendigen Freiburger Traditionen zu erstellen und dieses über eine Datenbank online bereitzustellen.

Freiburg, 9. Mai 2011

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