Frauen und Politik im Kanton Freiburg 1971 – 2018 – Evolution oder Stagnation ?

25. Januar 2019 -10h00

Der Titel stellt direkt die zentrale Frage dieser Publikation, bei der es um die politische Vertretung der Frauen im Kanton Freiburg zwischen 1971 und 2018 geht. Ausgehend von den letzten nationalen, kantonalen und kommunalen Wahlen verschafft sie einen Überblick über die aktuelle Situation und macht Verbesserungsvorschläge. Eine ausgewogene politische Vertretung von Frauen und Männern ist in der Tat grundlegend für die Demokratie und für eine tatsächliche Repräsentativität der politischen Behörden.

Egalité et politique
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Die Vertretung der Freiburgerinnen in den politischen Instanzen zeigt einen stagnierenden, ja sogar rückläufigen Trend. Ein gutes Beispiel für diesen Rückgang ist der Staatsrat. Zwei Gründen können diesen Rückgang erklären: Zum einen, weil das «bürgerliche Bündnis» aus CVP, FDP und SVP keine weibliche Kandidatur für die Wahlen von 2016 aufgestellt hat, sondern sechs Männer. Aufgrund dieser Situation war die Möglichkeit einer mehr oder weniger ausgeglichenen Vertretung von Frauen und Männern nahezu unmöglich. Zum anderen, weil zwei Frauen während der Legislaturperiode zurückgetreten sind (jeweils 2013 und 2017) und beide durch einen Mann ersetzt wurden. Dadurch wurde die angesprochene Situation von 2011, als zum ersten Mal drei Staatsrätinnen gewählt worden waren, wieder zunichte gemacht ‒ und 2018 sitzt nur noch eine einzige Frau im Staatsrat.

Im Gegenzug hat die Frauenvertretung im Grossen Rat, der kantonalen Legislative, bei den Wahlen 2016 im Vergleich zu 2011 um 9,1 Punkte zugenommen und der Anteil der gewählten Frauen betrug nach Wahlschluss 30 %, dies trotz der Tatsache, dass der Anteil an Frauenkandidaturen im Vergleich zu 2011 stabil geblieben war (32,5 %).

Über diese wachsenden Ergebnisse hinaus kann festgestellt werden, dass die Zunahme der Zahl der Frauen in der Politik weder automatisch erfolgt noch irreversibel ist. Die Frauenfrage taucht in den Wahlprozessen immer wieder zu spät auf und beschränkt sich manchmal sogar auf den Zeitpunkt der Suche nach Kandidaturen.

Die Lösung: Den weiblichen Nachwuchs immerzu pflegen, auf allen Ebenen, und zwar schon lange vor den Wahlen.

Den Frauen Schlüsselpositionen innerhalb der Parteien oder der wichtigen Kommissionen anvertrauen, ihre Medienpräsenz fördern, die neu gewählten Frauen unterstützen und ihnen echte Gelegenheit geben, ihre Kompetenzen zu erweitern und ihr Talent unter Beweis zu stellen, die Kandidatinnen während der Wahlkampagne konkret unterstützen und ihre Fähigkeiten aufwerten.

Auf organisatorischer Ebene empfiehlt das GFB verschiedene Mittel wie z. B. die Festsetzung von Listenquoten, die Organisation und die Finanzierung von Frauensektionen u.v.a.m. Des Weiteren ‒ und um die Frauen für ein politisches Engagement zu begeistern ‒ ist es wichtig, den guten Beispielen mehr Gewicht zu verleihen und sie als Idealbild sichtbar zu machen.

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