Stärkere Unterstützung von Landwirtschaftsbetrieben in Schwierigkeiten

29. August 2019 -07h15

Die Direktion für Gesundheit und Soziales und die Direktion der Institutionen und der Land- und Forstwirtschaft verstärken das seit 1999 bestehende Dispositiv für die Begleitung von Landwirtschaftsbetrieben in schwierigen Situationen. Es wird ein Netz von «Wächtern» und Mentoren eingerichtet, gleichzeitig wird es einfacher, Notlagen zu melden.

Das Bild zeigt eine Person in einem Feld
Anlaufstelle für Landwirtschaftsbetriebe in Schwierigkeiten © Tous droits réservés - Grangeneuve, Institut agricole de l'Etat

Seit etwas mehr als 20 Jahren macht die Landwirtschaft einen tiefgreifenden strukturellen Wandel durch, der sich heute mit den immer neuen Erwartungen und Anforderungen der Agrarpolitik des Bundes, des Marktes und der Gesellschaft fortsetzt. Etliche Schweizer und Freiburger Landwirtinnen und Landwirte stehen daher unter einem steigenden Druck, aus dem Spannungen innerhalb des Betriebs und der Familie entstehen. Dazu kommt eine gewisse Isolation, da viele Landwirte auf ihrem Betrieb vermehrt alleine leben und arbeiten.

Vor diesem Hintergrund wollen die Direktion für Gesundheit und Soziales (GSD) und die Direktion der Institutionen und der Land- und Forstwirtschaft (ILFD) die 1999 eingerichtete Unterstützung von Landwirtschaftsbetrieben in Schwierigkeiten verstärken. Ihre Strategie der Verstärkung basiert auf den Empfehlungen der Studie zu den psychosozialen Risiken der Landwirtinnen und Landwirte im Kanton Freiburg, die sie bei Professor Jérémie Forney vom ethnologischen Institut der Universität Neuenburg in Auftrag gegeben haben.

Die Anlaufstelle für Landwirtschaftsbetriebe in Schwierigkeiten, mit Sekretariat in Grangeneuve, bietet bereits eine Palette von gezielten Unterstützungsmassnahmen an. Diese reichen von Unternehmensberatungen über technische Beratungen und Vermittlungen von Gesundheitsfachkräften bis hin zu einfühlsamem Zuhören. Diese Anlaufstelle wird mit folgenden Massnahmen ergänzt:

Netz von «Wächtern» Um die Früherkennung von schwierigen Situationen zu verbessern und den Landwirtinnen und Landwirten so früh wie möglich zu helfen, wird ein Netz von sogenannten Wächterinnen und Wächtern eingerichtet. Schon heute üben Fachpersonen, die in regelmässigem Kontakt mit den Landwirtinnen und Landwirten stehen, diese Funktion als Meldesystem und Bindeglied aus. Nun soll diese Funktion formeller eingerichtet und die Wächterinnen und Wächter entsprechend ausgebildet werden. Dabei kann es sich um eine Tierärztin, einen Milchkontrolleur, eine landwirtschaftliche Beraterin, einen Buchhalter oder jede andere Kontaktperson der Landwirtinnen und Landwirte handeln. Ihre Aufgabe besteht darin, die Landwirte über die Anlaufstelle zu informieren und der Stelle nach Absprache mit der betroffenen Person heikle Situationen zu melden. Notfallsituationen müssen der Anlaufstelle systematisch gemeldet werden.

Einfachere Meldung Die Anlaufstelle ist neu über eine E-Mail-Adresse (aed@fr.ch) und eine direkte Telefonnummer (079 415 38 64) erreichbar. Sie garantiert den Personen, die sie kontaktieren, dass ihre Angaben vertraulich behandelt werden.

Massnahmen- und Überwachungsplan Entsprechend den identifizierten Bedürfnissen und im Einverständnis mit der betroffenen Person setzt die Anlaufstelle einen Plan mit den Begleitmassnahmen ein und greift gegebenenfalls auf die Dienste verschiedener Spezialisten zurück (medizinischer Bereich, Sozialdienste, technische Berater, Unternehmensberater, Buchhalter, Juristen, Coaches, Mentoren, …). Die Anlaufstelle garantiert die Durchführung des Plans und ersucht je nach Fall eine Mentorin oder einen Mentor, die Landwirtin oder den Landwirt zu begleiten.

Netz von Mentoren Derzeit zieht die Anlaufstelle externe Fachkräfte hinzu, um die Massnahmen und Begleitpläne zu überwachen. Die GSD und die ILFD möchten ein Netz von ausgebildeten und bezahlten Mentorinnen und Mentoren schaffen, die die Situationen persönlich verfolgen: Zuhören, Motivation, Planung und Organisation der Aufgaben, technische Begleitung usw. Um ihren Auftrag wahrzunehmen, müssen die Mentorinnen und Mentoren über Humanität und eine ausgeprägte soziale Ader verfügen, gute Kenntnis des landwirtschaftlichen Milieus sowie ein grosses Netzwerk und Zeit haben. Es könnte sich beispielsweise um eine pensionierte Landwirtin oder einen pensionierten Landwirt handeln.

Erweiterte und verstärkte Anlaufstelle Neben dem Sozialamt, dem Amt für Landwirtschaft und Grangeneuve wird fortan auch das Amt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen der Anlaufstelle angehören. Das Budget der Anlaufstelle wurde aufgestockt. Es ist von 15’000 Franken im Jahr 2017 auf 60’000 Franken für das Jahr 2020 gestiegen.

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