Ende des Freiburger Modells der pharmazeutischen Betreuung: Kosten steigen, Pflegeheimbewohner müssen in die Tasche greifen

27. März 2019 -10h45

Die Befürchtungen der Freiburger Partnerinnen und Partner des Modells der pharmazeutischen Betreuung in den Pflegeheimen bewahrheiten sich: Eine Beurteilung der Auswirkungen der Abschaffung des Freiburger Modells beweist, dass die Kosten massiv angestiegen sind, wodurch auch die Ausgaben für die Bewohnerinnen und Bewohner zugenommen haben.

Arzneimitteln in Pflegeheime
Arzneimitteln in Pflegeheime © 2018 Etat de Fribourg

Keine Folgen für die Bewohnerinnen und Bewohner und ein Kostenanstieg von höchstens 1,5 Millionen Franken: So lautete im vergangenen Jahr die Aussage der Versicherer über die Konsequenzen der Abschaffung des rund 15-jährigen Freiburger Modells der pharmazeutischen Betreuung.

Doch dem ist nicht so. Die Studie, die Prof. Olivier Bugnon und Dr. Anne Niquille der Universitäten Lausanne und Genf im Auftrag von pharmaSuisse in 20 Pflegeheimen (1264 Betten) durchgeführt haben, beweist, dass die Arzneimittelkosten massiv angestiegen sind, seit das von den Vertreterinnen und Vertretern der Pflegeheime, vom Apothekerverband des Kantons Freiburg und von der Direktion für Gesundheit und Soziales umkämpfte Freiburger Modell Ende Juni 2018 abgeschafft wurde.

Pflegeheimbewohner sind die Verlierer
Aus der Studie geht hervor, dass die Kosten zwischen dem ersten und dem zweiten Halbjahr 2018 um 59 %, im Vergleich zu 2017 sogar um 70 % angestiegen sind. Heruntergebrochen auf alle 2655 Betten der 42 Pflegeheime des Kantons beträgt der Kostenanstieg 3,4 Millionen Franken pro Jahr.

Wie kann das sein? Zum einen haben die Versicherer auf die äusserst günstigen Einkaufskonditionen verzichtet, welche die Pharmaindustrie den Freiburger Pflegeheimen gewährt hatte, zum anderen ist der massive Anstieg eine direkte Folge der geschwächten berufsübergreifenden Zusammenarbeit, die für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Arzneimitteln gesorgt hatte.

Die Pflegheimbewohnerinnen und Pflegeheimbewohner haben doppelt unter dem Wegfall des Freiburger Modells zu leiden, denn für manche Mittel müssen sie jetzt vollständig aufkommen, wenn sie keine Zusatzversicherung haben.

Bemühungen zur Kosteneindämmung für die Katz
Die Befürchtungen der Freiburger Partnerinnen und Partner bewahrheiten sich: Das Ende der Freiburger Praxis, die sich durch ihre Effizienz, ihre Zweckdienlichkeit und ihre Wirtschaftlichkeit auszeichnete, führt sehr wohl zu einer Verschwendung der Versichertengelder. Die Folge davon sind steigende Gesundheitskosten. Mit dem Wegfall des Freiburger Modells werden die Bemühungen, die in Bezug auf die Kosteneindämmung seit mehreren Jahren an den Tag gelegt wurden, zunichte gemacht.

Dem ist hinzuzufügen, dass sich ein Anstieg der Gesundheitskosten auf die Krankenkassenprämien auswirkt.

Das Freiburger Modell der pharmazeutischen Betreuung

Seit seiner Einführung konnten nicht nur die Gesundheitskosten verringert, sondern auch die Qualität der Arzneimittelabgabe beeinflusst werden. Dank dieser Zusammenarbeit zwischen Apothekerinnen/Apothekern, Pflegeheimen, Ärztinnen/Ärzten und Pflegefachpersonen können Arzneimittel zum Fabrikabgabepreis erworben werden. Ausserdem basiert sie auf einer Pauschale, die insbesondere die Arzneimittelverschwendung verhindert.

Mit dem Freiburger System betrugen die durchschnittlichen Tageskosten für Arzneimittel einer Pflegeheimbewohnerin bzw. eines Pflegeheimbewohners des Kantons Freiburg im Jahr 2016 Fr. 4.80, während das Schweizer Mittel Fr. 8.55 beträgt, also 78 % mehr. Angewandt auf die 2600 Freiburger Pflegeheim-bewohnerinnen und -bewohner liegen die tatsächlichen Arzneimittelkosten bei 4 555 200 Franken pro Jahr. Mit einer Berechnung auf Grundlage des Schweizer Mittels würden sich diese Kosten auf 8 113 950 Franken belaufen, sprich auf jährlich 3 558 750 Franken mehr.

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