Betreuung im Suchtbereich: Anpassung des Freiburger Angebots aufgrund der Entstehung neuer Suchtformen ohne Substanzen

20. Dezember 2018 -15h02

Für 2018 bis 2021 ist ein breites Angebot für suchtkranke Personen im weiteren Sinne geplant, bei dem die Koordination der Leistungen im Vordergrund steht. Am grössten ist der Bedarf im Bereich der Alkohol-, Tabak-, Spiel-, Internet- und Arzneimittelsucht und des Mehrfachkonsums.

Betreuung im Suchtbereich - Medienkonferenz 20.12.2018
Betreuung im Suchtbereich - Medienkonferenz 20.12.2018 © Alle Rechte vorbehalten

Zahlreiche umgesetzte Massnahmen seit 2012
Seit einigen Jahren tauchen im Suchtbereich neue Substanzen auf, gleichzeitig sind vermehrt Suchtformen wie die substanzungebundene Sucht (z. B. Spielsucht) zu beobachten. Aus diesem Grund hat die Direktion für Gesundheit und Soziales (GSD) der kantonalen Kommission für Suchtfragen den Auftrag erteilt, in Zusammenarbeit mit dem Kantonsarztamt (KAA) die Koordination zu steuern und die Bedürfnisse und Prioritäten aus dem Bericht «Projekt für die Koordination der Betreuung Suchtkranker (illegale Drogen und Alkohol) » von 2012 zu aktualisieren.

Im Rahmen der Umsetzung dieses Berichts konnten zahlreiche Leistungen und Massnahmen umgesetzt werden, wie z. B. die Schaffung von Betreuungsplätzen und von einer Indikationsstelle für Minderjährige, die Förderung des Zugangs zu Wohnungen mit sozialer Begleitung, die Hilfe für Personen für die Zeit während und nach einem Spitalaufenthalt, Indikationsstellen für Erwachsene, der Zugriff auf eine Online-Beratungsplattform (safezone.ch) oder noch die Schaffung eines kantonalen Zentrums für Abhängigkeitserkrankungen im Kantonshauptort.

Beständigkeit und Anpassung an die neuen Bedürfnisse
Das Betreuungsangebot ist heute nicht mehr nur auf ein spezifisches Verhaltensmuster oder auf eine Substanz ausgerichtet. Für den Zeitraum von 2018 bis 2021 wurden im Bericht «Koordination der Betreuung von suchtkranken Personen ‒ Bedürfnisse und Prioritäten 2018‒2021» 19 Bedürfnisse identifiziert. Zu den Prioritäten, die festgelegt wurden, gehören u. a. das Projekt für eine Bestandsaufnahme der Versorgung von suchtkranken älteren Personen, die Förderung des Zugangs und des Verbleibs in einer Wohnung, die Verbesserung der sozialen Eingliederung oder noch der Ausbau der Betreuung für suchtkranke Personen am HFR, insbesondere in den Notaufnahmen. Mit diesem Projekt sollen Probleme der Alkoholsucht bei hospitalisierten Personen erkannt werden, sodass die Betroffenen nach dem Spitalaustritt Unterstützung erhalten, um ihren Konsum in den Griff zu bekommen.

Ebenfalls auf dem Programm 2018-2021 stehen der Fortbestand der Indikationsstelle für Minderjährige, die Schaffung eines Suchtforums sowie die Ausweitung eines Projektes, das den kontrollierten Umgang mit Alkohol fördert («Körkel»). Letzteres bietet eine individuelle Begleitung während mehrerer Monate an. Ziel ist es, das in Zukunft auch im Süden und im Westen des Kantons Sitzungen im Rahmen dieses Projekts organisiert werden.

Freiburg ist Pionier im Bereich der Koordination
Der Bericht, der eine Bestandsaufnahme der Bedürfnisse und Prioritäten für die Jahre 2018 bis 2021 vornimmt, berücksichtigt den Freiburger Ansatz, der auf die suchtkranke Person ausgerichtet ist und nicht auf die Einrichtungen. Vor diesem Hintergrund war die Errichtung des Netzwerks der Freiburger Einrichtungen für Suchtkranke (NFES) im 2011 richtungsweisend; damals haben sich die drei stationären Einrichtungen «Le Tremplin», «Le Torry» und «Le Radeau» in einer Vereinbarung zusammengeschlossen. Daraus ist ein übergreifendes und koordiniertes Leistungs- und Massnahmenangebot entstanden, das auch die anderen öffentlichen oder subventionierten Einrichtungen des Netzwerks einbindet. Als Pionier auf dem Gebiet der Koordination durfte der Kanton Freiburg seinen Ansatz schon in anderen Kantonen präsentieren. 

Rapport