Die freiburgischen Wälder 20 Jahre nach Lothar

11. Juni 2019 -11h19

Am 26. und 27. Dezember 1999 fegten Orkanböen mit beispielloser Wucht über Europa hinweg. Das Schweizer Mittelland und der Kanton Freiburg wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Sturm Lothar machte tausende Hektaren Wald dem Erdboden gleich und hat die verschiedenen Akteure des Waldes aber auch die Bevölkerung stark geprägt. Wie geht es unseren Wäldern nun 20 Jahre danach? Wie haben sie sich entwickelt? Wie sind sie angesichts des Klimawandels auf neue Ereignisse wie Stürme, wiederholte Trockenheit, Krankheiten usw. vorbereitet? Das Amt für Wald und Natur (WNA) hat mehrere Aktionen, Exkursionen und Ausstellungen geplant, um die freiburgische Bevölkerung zu informieren.

Spaziergang im Wald
Spaziergang im Wald © Tous droits réservés - Pixabay/CCO

Der Sturm Lothar hinterliess in Europa eine Spur der Verwüstung und kostete in der Schweiz 14 Personen das Leben. 15 weitere Personen starben bei den Aufräumarbeiten in den zerstörten Wäldern. Im Kanton Freiburg hatte der Sturm tausende Hektaren Bäume gefällt.

Wie geht es unseren Wäldern nun 20 Jahre danach? Wie sind sie angesichts des Klimawandels gegen neue Ereignisse wie Stürme, wiederholte Trockenheit, Krankheiten usw. gewappnet? Forstfachleuten ist es nicht möglich, alle Fragen abschliessend zu beantworten. Das Amt für Wald und Natur (WNA) kann jedoch eine objektive Bilanz der Arbeiten ziehen, die in den vergangenen 20 Jahren zur Wiederherstellung der zerstörten Waldflächen geleistet wurden. Die umfangreichen Investitionen, die damals von den staatlichen Stellen zur Bewältigung der durch «Lothar» verursachten Krisensituation zugesagt wurden, verdienen eine Bilanz. Diese Investitionen haben sich offensichtlich sehr günstig auf die heutige Qualität unserer Wälder ausgewirkt. Der Sturm führte auch zu zahlreichen Veränderungen im Wald:

>   Die Waldzusammensetzung ist naturnaher geworden. Im Flachland ersetzen Laubbäume die Nadelbäume weitgehend. Die stufige Struktur der Wälder mit Bäumen verschiedener Grössen und unterschiedlichen Alters macht die Wälder widerstandsfähiger gegen Stürme, aber auch gegen Trockenheit.

>   Es wurden Eichen und andere Baumarten gepflanzt: ein Mischwald ist resistenter gegen die laufenden Klimaveränderungen.

>   Mehrere zerstörte Flächen wurden nicht bewirtschaftet. Dem natürlichen Zerfallsprozess des Holzes und der natürlichen Waldverjüngung wurde freier Lauf gelassen. Eine Vielzahl von vom Aussterben bedrohter Insektenarten, namentlich holzfressende Insekten, konnte sich dort entwickeln. Diese Lebensräume bilden sehr biodiversitätsreiche ökologische Nischen.

>   Die Arbeitssicherheit wurde stark verbessert und durch angepasste Maschinen wurde die Arbeit erleichtert. Durch diese Holzerntemethoden wurde die Arbeit zudem rationeller.

Die Waldentwicklung erfolgt sehr langsam (man spricht von grosser Trägheit). Die Waldbesitzer und Berufskreise erwartet daher nach wie vor eine längerfristige Arbeit.

 

Der Wald angesichts des Klimawandels
Die Fachleute des WNA können dank der heutigen wissenschaftlichen Kenntnisse gewisse Auswirkungen des Klimawandels vorwegnehmen. Das Leben eines Baumes erstreckt sich oft über mehrere Jahrhunderte. Es ist daher unerlässlich, das Klima von morgen zu antizipieren. In diesem Sinne braucht es eine Zweckmässigkeitsanalyse, um die Zusammensetzung und Struktur unserer Wälder anzupassen und um ihre Widerstandsfähigkeit und insbesondere ihre Belastbarkeit angesichts der zukünftigen Umweltbedingungen zu stärken.

Gewisse bedeutende Baumarten, wie die Fichte, die im letzten Jahrhundert im Flachland grossflächig angepflanzt wurde, werden kaum weiterbestehen. Dies hat Auswirkungen auf die Waldbewirtschaftung, die sich ebenfalls weiterentwickeln muss, nicht nur was den Wald betrifft, sondern auch bezüglich der industriellen Holzverwertung. Eichen aber auch andere trockenheitsresistentere Arten werden auftreten. Die Herausforderung der Förster wird darin bestehen, sicherzustellen, dass der Wald seine verschiedenen Funktionen weiterhin erfüllen und zum Wohlbefinden unserer Gesellschaft beitragen kann. Der Schutzwald, der vor Lawinen, Steinschlag oder Murgängen schützt, der Wald, der der Bevölkerung zur Erholung dient, der den Rohstoff Holz mit günstiger CO2-Bilanz liefert, oder für Tiere und Pflanzen einen biodiversitätsreichen Lebensraum bildet – alle diese Waldfunktionen müssen erhalten bleiben, was ganz unterschiedliche Herausforderungen mit sich bringt. Ein weiterer Bereich stellt das Energieholz dar. Dieses Holz hat Potenzial im Rahmen der Reduktion der CO2-Emissionen, ein Potenzial, das in unserem Kanton noch bei weitem nicht ausgeschöpft ist.       

Gedenkaktionen im Laufe des Jahres
Zwanzig Jahre sind eine kurze Episode für den Wald für den Menschen jedoch eine Generation. Es ist deshalb an der Zeit, eine kleine Bilanz zu ziehen. Zu diesem Zweck organisiert das WNA mehrere Anlässe und Aktionen auf kantonaler Ebene, um die Bevölkerung und die Grossratsmitglieder über den Zustand unserer Wälder wie auch über die Chancen und Risiken zu informieren. Vier Arten von Aktionen sind vorgesehen:

 

Veranstaltung/Aktion

Zielpublikum

Thema/Ziel

Ausflug des Grossen Rates

Freiburger Politiker

Auswirkungen-Veränderungen aufgrund des Sturms
Relevanz der Investitionen - Anerkennung 
Der Wald angesichts des Klimawandels

Öffentliche Exkursionen

Öffentlichkeit

Ergebnisse der Wiederinstandsetzung – Regeneration der zerstörten Wälder
unterschiedliche Zeitwahrnehmung Wald/Mensch
Chancen und Risiken für die Wälder von morgen

Wanderausstellung

Öffentlichkeit

Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Entwicklung des Waldes, ein positives und emotionales Image des Waldes, der sich in der Regenerationsphase befindet, präsentieren

Sommerserie:
La Liberté
Freiburger Nachrichten

Öffentlichkeit

a) Klimatische Veränderungen;

b) Verwendung von Holz und Energieholz;

c) Waldbau und Waldbewirtschaftung;

d) Biodiversität im Wald und den Waldreservaten;

e) Waldstrukturen;

f) Auswirkungen auf die Landschaft.

 

Veranstaltungsprogramm  «20 Jahre Lothar»

 

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