Ein Jahrhundert des Fortschritts / Die Christliche Republik

Dauerausstellung
Ein Jahrhundert des Fortschritts / Die Christliche Republik
im Museum für Kunst und Geschichte

Mathilde Mayr von Baldegg-de Weck, La Résignée, 1896
Mathilde Mayr von Baldegg-de Weck, La Résignée, 1896 © Alle Rechte vorbehalten - MAHF

Im 19. Jahrhundert ist der Kanton Freiburg wegen – oder trotz – militärischer Niederlagen (zwei Invasionen in fünfzig Jahren) und politischer Wirren (Revolution, Revolten, Staatsstreiche...) vom Fortschrittsglauben geprägt.

 

Das Erziehungssystem und die wissenschaftliche Tätigkeit verbessern sich dank zwei aufgeklärten Männern, dem Chorherrn Aloyse Fontaine (†1834) und Pater Gregor Girard, und dank freisinnigen Reformpädagogen (Alexandre Daguet, †1894). Der Bau der grossen Hängebrücken (1830er Jahre) und der Eisenbahn (1860er Jahre) unter dem Einfluss von Julien Schaller und Louis de Weck-Reynold bringen den Handel wieder in Schwung. Freiburg ist die zweite Stadt der Schweiz, die elektrifiziert wird; gegen Ende des Jahrhunderts entsteht auf der Perolles-Ebene eine erste Industrieanlage.

 

Aber die Modernisierung, auch jene der Landwirtschaft, stösst im ökonomischen Bereich auf geringeren Widerstand als im gesellschaftlichen und kulturellen. Hier kann sie sich nur zögerlich durchsetzen, denn besonders die Landbevölkerung steht unter straffer klerikaler Aufsicht und vertritt eine konservative Haltung.

 

Die Christliche Republik

 

In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts entsteht in Freiburg als Gegenposition zur freisinnigen Schweiz eine ungewöhnliche Regierungsform, die Christliche Republik.

 

Dieses System wird vom Chorherrn Joseph Schorderet (†1893), einem eigenwillig prophetischen Pressemann, entworfen und vom charismatischen Staatsrat Georges Python (†1927) verwirklicht. Die Christliche Republik fusst auf der Idealvorstellung eines sozialen Reiches Christi; ihr – fernes – Vorbild ist die theokratische Diktatur des Generals Garcia Moreno in Ecuador. Die Regierungsform zeichnet sich durch einen kämpferischen Katholizismus aus, dessen ultramontane Grundzüge auf die Bischöfe Pierre-Tobie Yenni (1815–1845) und Etienne Marilley (1846–1879) zurückgehen.

 

Über lange Zeit wird der Kanton Freiburg von Grundzügen der Christlichen Republik gezeichnet bleiben: politischer Isolation, paternalistischem Sozialwesen und Staatskapitalismus (Bank, Elektrizität, Eisenbahn). Er verdankt der Regierung Python jedoch auch die Gründung der Universität, unter deren Protagonisten besonders der französische Dominikaner Joachim-Joseph Berthier (†1924) zu erwähnen ist.

Padre Grégoire Girard

Le Père Grégoire Girard, 1843 Inv. 1992-42 Jean-Baptiste, Bonjour Huile sur toile De concert avec son cousin le chanoine Aloyse Fontaine, le P. Grégoire Girard (1765-1850), cordelier, prit en mains la situation lamentable de l’enseignement public à Fribourg. Il réforma les écoles primaires de la Ville, dont il reçut la direction en 1804. Ce pédagogue fameux fut privé de sa charge en 1823 par ses adversaires politiques.

Joseph Reichlen, Louis de Weck-Reynold, 1900

Louis de Weck-Reynold, vers 1900 Dépôt des EEF Joseph, Reichlen Huile sur toile Louis de Weck-Reynold (1823-1880), agronome et propriétaire terrien, eut en politique une action décisive pour l’économie du canton. Il fut un promoteur de la ligne ferroviaire Berne-Lausanne par Fribourg. Conservateur modéré, il s’efforça de concilier les valeurs catholiques et le libéralisme conquérant du nouvel Etat fédéral.

République chrétienne_salle

Salle d'exposition

Padre Grégoire Girard
Joseph Reichlen, Louis de Weck-Reynold, 1900
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