Sauerstoffmangel im Schiffenensee und in der Saane unterhalb der Schiffenenstaumauer

12. September 2018 -08h15

Anfang August wurde das Amt für Wald, Wild uns Fischerei (WaldA) aufgrund toter Fische zwischen der Schiffenenstaumauer und der Einmündung der Sense bei Laupen alarmiert. Untersuchungen des Tierspitals in Bern zeigten, dass die Tiere vermutlich an einem Sauerstoffmangel verendet sind. Verschiedene Untersuchungen in diesem Abschnitt der Saane haben einen zu geringen Sauerstoffgehalt bestätigt und erlaubte die meisten Arten zu beobachten, die dort auch vorkommen sollten. Die Anzahl Tiere bleibt aber relativ bescheiden. Wahrscheinlich hat die Fauna flussabwärts oder in den Nebenflüssen der Saane vorübergehend Zuflucht gefunden. Es wurden dringende Massnahmen ergriffen, um einen zufriedenstellenden Sauerstoffgehalt wiederherzustellen. Das Absinken der Temperatur sollte dieses Phänomen natürlich lösen.

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  1. Einfluss des Schiffenensees

Während diesem Sommer wurden braune Schlieren auf dem Schiffenensee entdeckt und dem Amt für Umwelt (AfU) gemeldet. Dieses Phänomen stellte sich als eine Algenblüte heraus, eine explosionsartige Vermehrung einer einzelnen Algenart, die sich natürlicherweise im See befindet und für die Gesundheit unbedenklich ist.

Die Algen, die zu Milliarden an der Oberfläche schwimmen, sterben nach ein paar Tagen ab und sinken an den Grund des Sees, wo sie abgebaut werden. Dieser Prozess wiederum verbraucht Sauerstoff. Durch den ungewöhnlich hohen Anfall von organischem Material wurde der gesamte Sauerstoff der unteren Schicht des Schiffenensees verbraucht. Messungen im See vom 22. August 2018 zeigten einen starken Sauerstoffmangel (Anoxie) ab einer Tiefe von 5m.

Die Vermehrung dieser Algen ist nicht mit einer bestimmten Verschmutzung verbunden, sondern mit einer Kombination von Faktoren. Insbesondere die lokal hohe Wassertemperatur, der zufriedenstellende, aber hohe Nährstoffgehalt und die mangelnde Durchmischung des Seewassers während dieser Saison.

Der Sauerstoffmangel im See hat Auswirkungen auf die Saane, da unter normalen Betriebsbedingungen am Staudamm Schiffenen Wasser aus einer Tiefe von 15 m entnommen wird, bevor es zur Stromerzeugung genutzt und stromabwärts abgeleitet wird.

  1. Sofortmassnahmen

In enger Zusammenarbeit mit dem AfU und dem WaldA ergriff der Staudammbetreiber (Groupe E) sofortige Massnahmen, indem er einen Teil des Wassers aus der sauerstoffreichen Seeoberfläche ableitete (etwa 12% des in die Saane abgeleiteten Wassers).

Diese Massnahme bleibt bis zur Verbesserung der Sauerstoffverhältnisse im Schiffenensee bestehen. Sie führen jedoch zu einem Verlust der Stromproduktion, da das Oberflächenwasser nicht turbiniert werden kann. Bis Ende letzter Woche wurden 4 Millionen m3 Wasser freigesetzt, ohne zur Energiegewinnung genutzt zu werden.

  1. Weiteres Vorgehen

Der Sauerstoffgehalt in der Saane hat sich erhöht und auf einem zufriedenstellenden Niveau stabilisiert und wird nach wie vor mehrmals täglich gemessen. Es ist vorgesehen eine automatische Sauerstoffsonde in der Saane zu installieren. Falls das Problem wieder auftreten sollte, kann man in Zukunft schneller reagieren und negative Einflüsse im Fliessgewässer verhindern.

Der erwartete Temperaturabfall in den kommenden Wochen sollte das Problem des Sauerstoffmangels in den tiefen Schichten des Sees natürlich lösen. Einerseits durch den Rückgang der Algen und andererseits durch die natürliche Vermischung des Seewassers, die in der Regel im Herbst bei sinkenden Oberflächentemperaturen stattfindet.

Es werden Untersuchungen unternommen, um die Ursachen dieses Problems und mögliche Massnahmen zur Verhinderung seines Wiederauftretens genau zu definieren. Dazu gehört die Bewertung und Lokalisierung von Nährstoffeinträgen und ein besseres Verständnis für das Funktionieren des Sees, insbesondere in Bezug auf seine Nutzung zur Stromerzeugung. Dabei wird sich zeigen, ob Massnahmen erforderlich sind, um den Nährstoffeintrag zu begrenzen oder den Betrieb des Staudamms während Perioden des Sauerstoffmangels in der Tiefe anzupassen.

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