Geboren am 7. September 1943 in Granges (Vivisbachbezirk). Von Morlon und Enney (Greyerzbezirk). Seine Eltern sind Marcel Grandjean, Lehrer, und Germaine geb. Sallin. 1968 heiratet er Danielle Sulmoni. Das Paar hat drei Kinder. Claude Grandjean verbringt seine Jugend in Granges.

Claude Grandjean, ancien Conseiller d'Etat/Alt Staatsrat, (1943)
Claude Grandjean, ancien Conseiller d'Etat/Alt Staatsrat, (1943) © Tous droits réservés
Claude Grandjean, (1996-2006), sozialdemokratisch

1962 legt er am Kollegium St. Michael die Handelsmatura ab und schreibt sich an der Philosophischen Fakultät der Universität Freiburg ein, um insbesondere Geschichte zu studieren. So befasst er sich mit den Manuskripten des Generals Henri Dufour. Er unterrichtet in der Orientierungsschule des Vivisbachbezirks (Handelsfächer, Geschichte, Französisch, Staatskunde).

Von 1978 bis 1991 ist er Generalrat in Châtel-Saint-Denis. 1991/92 ist er während kurzer Zeit als Gemeinderat dieser Stadt für den Schulbereich verantwortlich. Von 1986 bis 1996 ist er sozialdemokratischer Abgeordneter des Vivisbachbezirks im Grossen Rat. Mit Erfolg bekämpft er 1987 das Projekt eines eidgenössischen Sportzentrums in Muntelier.

Er kandidiert 1991 für die Kantonsregierung und 1995 für den Nationalrat und wird 1996 in den Staatsrat gewählt, in dem er zehn Jahre tätig ist. Er leitet die Justiz-, Polizeiund Militärdirektion, die 2002 zur Sicherheits- und Justizdirektion wird. Unter seiner Leitung wird die erste kantonale Stelle für Mediation im Jugendstrafrecht eingerichtet. Er reorganisiert das Amt für Strassenverkehr und Schifffahrt, das einen autonomen Status erhält ; zwei Zweigstellen werden in Domdidier und Vuadens eröffnet. Er schafft eine Fachstelle für die Integration der MigrantInnen und für Rassismusprävention.

Auf seine Anregung macht die bürgernahe Polizei ihre ersten Schritte, während die Gendarmerie in drei regionalen Einsatzzentren organisiert ist. Darüber hinaus restrukturiert er das Zivilstandswesen und die Friedensrichterämter. Dem Grossen Rat unterbreitet Claude Grandjean folgende Gesetze : Handelspolizei (1997), ein einziges kantonales Handelsregisteramt anstelle der alten Bezirksregister (2000), Ausübung des Handels (2005), Spielapparate und Spielsalons (Teilrevision 2006), Justizrat (2006), Konkordat über den Vollzug der Freiheitsstrafen und Massnahmen an Erwachsenen und jungen Erwachsenen in den Kantonen der lateinischen Schweiz (2006) und öffentliche Gaststätten (Teilrevision 2006).

Unter seiner Direktion wird eine neue Haftanstalt für vorzeitigen Strafvollzug in Bellechasse und eine Sporthalle geplant, deren Eröffnung im August 2010 stattfindet.

Im Militärbereich präsentiert Claude Grandjean 2005 das neue Stationierungskonzept der Armee. Zwar wird der Automobilpark in Romont geschlossen, doch die Westschweizer Konzentration auf das Infrastruktur-Center Grolley ermöglicht die Erhaltung der dortigen Arbeitsplätze. Grandjean engagiert sich sehr für dieses Dossier und erreicht, dass Grolley zu einem der wichtigsten Logistik-Center der Schweiz wird.

Mehrere Affären, welche die Justiz und die Polizei betreffen, werden in seinen beiden Amtszeiten öffentlich bekannt. 2000 präsentiert er die Schlussfolgerungen der Untersuchung zweier kantonsexterner Experten über die schweren Missstände in der Strafjustiz zwischen 1988 und 1998. Darin ist die Rede von untolerierbaren Verspätungen, Machtmissbrauch der Polizei, Missbräuchen in der Untersuchungshaft, direkten Kontakten zwischen Untersuchungsrichtern und Informanten, Vorgängen, welche die Unabhängigkeit der Untersuchungsrichter gefährden, und illegalen Ermittlungen im Ausland. Die Experten schlagen Massnahmen vor, um die Arbeit der Untersuchungsrichter und der Justizpolizei zu verbessern.

Claude Grandjean sieht sich 2001 mit einer schwierigen Situation konfrontiert, als die Asylbewerber massiv zunehmen und Sans-Papiers die Kirche St. Paul und die Kunsthalle Fri-Art in Freiburg besetzen. Zwischen dem Staatsrat und einigen SP-Grossräten kommt es zu Spannungen, und seine Partei fordert die Regelung der Situation jener Sans-Papiers, die gewissen Kriterien entsprechen und deren Anliegen sich rechtfertigen lässt. Der Justiz- und Polizeidirektor bemüht sich, die Fälle menschlich zu behandeln, und erreicht zahlreiche positive Entscheide in diesem Bereich, indem er bei den Bundesbehörden interveniert, um bestimmten Sans-Papiers zu einem geregelten Leben zu verhelfen. Die Geschehnisse wirken sich nicht negativ auf seine politische Karriere aus: Claude Grandjean wird am 11. November 2001 wiedergewählt, jedoch verlieren die Sozialdemokraten im Grossen Rat sechs Sitze.

Ein weiterer Fall ist die «Affäre Grossrieder», so genannt nach dem Leiter der Freiburger Drogenbrigade, der im März 1998 verhaftet wird. Grandjean war von der Bundesanwältin Carla Del Ponte auf die Sache aufmerksam gemacht worden. Schliesslich wird der Polizeioffizier vom Bezirksgericht Saane freigesprochen (4. Juli 2000), doch vom Staatsrat «aus berechtigten Gründen» entlassen (23. November 2000). Nach seinen Beschwerden vor Gericht muss ihm der Staat Entschädigungen in der Höhe von ca. 330 000 Franken entrichten.

Im November 2000 richtet der Personalverband der Sicherheitspolizei ein Schreiben an den Polizeidirektor, um die Verschlechterung der Beziehungen zwischen der Polizei und ihren Vorgesetzten Claude Grandjean und Pierre Nidegger anzuprangern. Ein Gutachten über die Funktionsweise der Sicherheitspolizei kommt zum Schluss, dass es zwar keine schweren Missstände, doch eine Anhäufung interner Probleme aufgrund mangelnder Kommunikation gibt. Rund 40 Vorschläge werden der Polizeidirektion unterbreitet. 2001 erhält die Polizei einen Kodex der Standespflichten, der verschiedene Aspekte umfasst, wie Dienst für die Gemeinschaft, Respekt vor Personen, Gehorsam, Integrität und Unparteilichkeit, würdiges Verhalten, Berufsgeheimnis und Loyalitätspflicht.

2001 und 2006 präsidiert Claude Grandjean den Staatsrat. Von 1988 bis 1996 ist er Mitglied des Verwaltungsrats der Freiburger Kantonalbank. In seiner Abschiedsrede hebt der Grossratspräsident die Rechtschaffenheit und Sensibilität des scheidenden Staatsrats hervor.

Nach seinem Rücktritt präsidiert er die kantonale Kommission für Jugendliche mit Schwierigkeiten bei der beruflichen Eingliederung und erteilt ausländischen Personen Französischunterricht im Rahmen der vom Freiburgischen Roten Kreuz organisierten ehrenamtlichen Aktivitäten. Zudem ist er Präsident des Freiburger Kammerorchesters.

Aus : "Der Freiburger Staatsrat : 1848-2011"

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