Technische Gefahren: Stationäre Anlagen

Stationäre Anlagen
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Vorstellung

Störfälle können entstehen beim Betrieb von Anlagen mit chemischen oder biologischen Gefahrenpotenzialen. Der Schutz der Bevölkerung und der Umwelt vor schweren Schäden basiert in der Schweiz auf der Störfallverordnung (StFV).

In diesem Zusammenhang werden die Anlagen, in denen die Art und Menge der verwendeten gefährlichen Materialien ein Risiko darstellen, aufgelistet. Danach werden passive, aktive und organisatorische Massnahmen durchgesetzt, um Risiken zu reduzieren.

  • Passive Massnahmen (bauliche Massnahmen, ohne menschlichen Eingriff): Chemikalienauffangvorrichtungen, Brandmauern, Verringerung der Lagermengen...
  • Aktive Massnahmen (mit menschlichem Eingriff): manuelles Schliessen der Ventile...
  • Organisatorische Massnahmen: Ausbildung von Fachleuten, Einsatzplan, Alarmplan...

Gefahren

In Abhängigkeit von der Art der Anlage können die Gefahren mehr oder weniger bedeutend sein. Es geht vor allem um folgende Gefahren für die Bevölkerung und die Umwelt:

  • Explosionen, Brände
  • Vergiftungen
  • Chemische oder bakteriologische Ansteckung der Bevölkerung
  • Chemische Kontamination von Böden und Gewässern

Begriffserklärungen

Stationären Anlagen
Es handelt sich um Anlangen (Betriebe, Leitungen...), die im Sinne der StFV ein Risiko darstellen. Im Kanton Freiburg sind  2011 110 Anlagen der StFV unterstellt.

StFV
Verordnung über den Schutz vor Störfällen (SR 814.012).

Verantwortung

Die Betreiber von Anlagen, die Chemikalien oder biologische Produkten benutzen, müssen zwingend überprüfen, ob sie aufgrund  der verwendeten Produkte und Mengenschwellen der StFV unterstellt sind. Zum Beispiel wäre ein Unternehmen, das 200’000 kg Benzin oder 2000 kg Schwefelsäure (Konzentration von mehr als 15 %) lagert, der StFV unterstellt.

In diesem Fall muss das Unternehmen alle geeigneten Sicherheitsmassnahmen ergreifen, um die potenzielle Gefahr zu reduzieren, schwere Unfälle zu verhüten und deren Folgen zu begrenzen. Als geeignet werden die je nach dem Stand der Technik und in Übereinstimmung mit der Erfahrung verfügbaren Maßnahmen betrachtet.

Der Inhaber ist auch aufgefordert, in seinem zusammenfassenden Bericht die potenziellen Gefahren seiner Anlage zu überprüfen, die verwendeten gefährlichen Stoffe und ihre Mengen anzugeben und die bestehenden Sicherheitsmassnahmen zu erwähnen. Er muss auch das Ausmass der möglichen Schäden im Falle eines schweren Unfalls für die Bevölkerung und die Umwelt einschätzen. Wenn das Ausmass der vorhersehbaren Schäden aus Sicht der Vollstreckungsbehörde niedrig genug ist, schliesst diese das Verfahren ab. Ist dies nicht der Fall, muss zum zweiten Schritt (Durchführung einer Risikoanalyse) übergegangen werden.

Der Inhaber, der eine Risikoanalyse durchführt, ist verpflichtet, nicht nur das Ausmass, sondern auch die Auftretenswahrscheinlichkeit eines schweren Unfalls vorzustellen und zu erklären, inwieweit die bereits getroffenen Sicherheitsmassnahmen einen Unfall verhindern oder dessen Folgen begrenzen können.

Die Behörden stützen sich auf die vorgestellte Analyse, um zu entscheiden, ob das Risiko akzeptabel ist. Ist dies nicht der Fall, weisen sie zusätzliche Massnahmen an, die bis zur Beschränkung oder sogar zum Verbot des Unternehmensbetriebs gehen können.

Ereignisbeispiele

2005, Buncefield (Grossbritannien)
Am 11. Dezember 2005 hat sich eine Serie von drei Explosionen im Treibstoffdepot vom Buncefield, ungefähr 40 Km im Norden von London, ereignet. Diese Explosionen haben mehrere grosse Brände entfacht, die drohten auf die weiteren 20 Tanke zu verbreiten. Die Flammen gingen hoch in den Himmel und eine dichte schwarze Rauchwolke hat die Gegend verdunkelt.
Um das Feuer zu bewältigen wurden 180 Feuerwehrleute von 16 Brigaden mobilisiert. Sie haben am 13. Dezember gemeldet, das Feuer gelöscht zu haben; nur einige Petrollachen mussten noch gelöscht werden.
Insgesamt wurden durch diese Katastrophe 43 Personen verletzt, davon zwei schwer. Ungefähr 2'000 in der Nähe wohnhafte Personen mussten sofort nach Beginn der Katastrophe vor Angst vor weiteren Explosionen evakuiert werden. 

2001, Toulouse (Frankreich)

Eine Explosion von 300 Tonnen Ammoniumnitratdünger im Lager einer chemischen Anlage fordert 29 Tote, mehr als 2000 Verletzte und die Zerstörung von Häusern in einem Umkreis von mehreren Kilometern. 

2000, Enschede (Niederlande) 
Nach einem Brand und der Explosion von 10 Tonnen Feuerwerk in einer Feuerwerksfabrik starben 22 Menschen und viele weitere wurden verletzt. 400 Häuser wurden in der Nähe der Anlage zerstört. 

1986, Schweizerhalle (Schweiz)
Ein Brand im Lager einer chemischen Anlage (ca. 1250 Tonnen Kunstdünger) verursacht eine erhebliche Verschmutzung des Rheins und des Bodens mit Schäden in einem sehr breiten Umkreis. Tausende von Menschen wurden in der Region Basel alarmiert. Es gab  keine Todesfälle oder Verletzten, sondern ein massives Medienecho sowie wichtige politische Folgen. Die StFV wurde übrigens in der Folge dieses Ereignisses verfasst. Materielle Schäden > 100 Millionen.

Verhaltensempfehlungen

Wenn Sie in einer Risikozone leben:

  • Folgen Sie den Abschirmungsanweisungen, das heisst: Verschließen Sie alle Lufteinlässe (Türen, Fenster, Lüfter...), stoppen Sie die Lüftung und die Klimatisierung und löschen Sie alle Flammen und Funken
  • Versuchen Sie nicht, Familienmitglieder zu erreichen, wenn sie draussen sind.
  • Vermeiden Sie, einen Telefonanruf zu tätigen, damit die Rettungsdienste das Netzwerk optimal benutzen können
  • Schalten Sie das Radio ein und treten Sie erst am Ende des Alarms oder auf Evakuierungsbefehl heraus

Am Ende der Alarm:

  • Lüften Sie den benutzten Schutzraum

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