Je nach Bedarf wurden verschiedene nationale oder kantonale thematische Verzeichnisse erstellt und ins Verzeichnis der unbeweglichen Kulturgüter integriert, was die Möglichkeit bietet, die untersuchten Objekte unter Schutz zu stellen. So haben die Daten des ISOS (Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz), des IVS (Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz) oder die Kampf- und Führungsbauten des 1. und 2. Weltkriegs den Status von thematischen Verzeichnissen und werden bei Ortsplanungsrevisionen neu evaluiert. Strassen oder Wege Gefahr laufen, ihren Wert als Kulturerbe zu verlieren.

Montagny-les-Monts, Hohlweg nationaler Bedeutung des Bois de la Bruyère, im Sandstein ausgehöhlte Passage.
Montagny-les-Monts, Hohlweg nationaler Bedeutung des Bois de la Bruyère, im Sandstein ausgehöhlte Passage. © 2018 Amt für Kulturgüter Freiburg / Alain Kilar - SBC, Alain Kilar
Kantonale Verzeichnisse

Die ersten systematischen kantonalen Verzeichnisse verfolgten wissenschaftliche Zwecke und waren Teil nationaler Publikationsprojekte. Es ging darum, die für Überblicke und Synthesen benötigten Unterlagen zu vereinen oder den Forschern eine detaillierte, das ganze Kantonsgebiet umfassende Dokumentation zur Verfügung zu stellen. Sie waren alle von umfangreichen Fotokampagnen begleitet, die heute eine einzigartige Bildquelle und die Erinnerung an die Entwicklung des Kantons seit den 1970er Jahren darstellen. 

Als kantonal werden alle vom Kanton finanzierten Verzeichnisse bezeichnet, selbst wenn sie im Rahmen nationaler Reihen erscheinen. Die meisten Verzeichnisse wirken identitätsstiftend, da sie bezwecken, die bezeichnendsten Merkmale der Architektur, der Kunst und des Kunsthandwerks des Kantons Freiburg herauszuarbeiten. 

Zeitgenössische Architektur - Die Erfassungsarbeit begann im Januar 1989 auf Initiative von François Martin, Architekt im Bau- und Raumplanungsamt. Eine Kommission für das Verzeichnis der zeitgenössischen Architektur (KVZA) wurde durch Staatsratsbeschluss vom 28. August 1990 geschaffen. Der Kunsthistoriker und Journalist Christoph Allenspach wurde mit der Abfassung der Texte beauftragt.

Ende 1993 hatte die KVZA für die Periode 1940-1993 insgesamt 550 Bauobjekte geprüft. 175 Hoch- und 6 Tiefbauten wurden ausgewählt und in einem Bericht veröffentlicht, der zu den frühesten in der Schweiz publizierten Untersuchungen dieser Art gehört.

Mit dem Ziel, die Förderung und die Unterschutzstellung des Baukulturerbes des 20. Jahrhunderts sicherzustellen, wurde diese Arbeit dem Amt für Kulturgüter anvertraut. Dieses beauftragte zwischen 2014 und 2018 Christoph Allenspach mit der Wiederaufnahme, der Revision und der Vervollständigung des Projekts. Im Juni 2018 zählte das Verzeichnis der unbeweglichen Kulturgüter 4‘456 Objekte für den Zeitraum zwischen 1900 und 1999, darunter 1‘681 für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Herausgabe einer Publikation dieses thematischen Verzeichnisses ist in 4 Bändern zwischen 2019 und 2021 vorgesehen.

Wohngebäude in drei Einheiten aus Rohbeton, Arch. Atelier 5, 1987-88 Neueneggstrasse 6, Wünnewil-Flamatt. Le Corbusier neu interpretiert: Drei Wohneinheiten an der Neueneggstrasse in Flamatt, Atelier 5, 1960-1961
Le Corbusier neu interpretiert: Drei Wohneinheiten an der Neueneggstrasse in Flamatt, Atelier 5, 1960-1961 © Alle Rechte vorbehalten - SBC, Frédéric Arnaud
Wohngebäude in drei Einheiten aus Rohbeton, Arch. Atelier 5, 1987-88 Neueneggstrasse 6, Wünnewil-Flamatt. Le Corbusier neu interpretiert: Drei Wohneinheiten an der Neueneggstrasse in Flamatt, Atelier 5, 1960-1961

Alphütten - In Ergänzung zum Verzeichnis der Bauernhäuser wurde diese umfassende Arbeit zwischen 1987 und 1996 von Jean-Pierre Anderegg geführt, in Umsetzung des Staatsratsbeschlusses vom 10. April 1990 über die Erhaltung des Baukulturgutes der Alpen. Alphütten, Vorsassgebäude, Käsespeicher, Ställe und Heuscheunen: 1349 Gebäude wurden erfasst, fotografiert und dokumentiert. Soweit uns bekannt ist, ist diese Felderhebung die erste dieser Art in den europäischen Alpen.

Die Ergebnisse dieses Projekts, die 1996 veröffentlicht wurden, bilden einen ersten Beitrag zur Geschichte der Freiburger Alpwirtschaft. Sechs Jahre später vollendete Jean-Pierre Anderegg mit seiner Untersuchung über die «Freiburger Kulturlandschaften» sein monumentales Werk über die ländliche Architektur und Siedlungsgeschichte des Kantons. Die gesamte Dokumentation ist gegenwärtig im Archiv des Amtes für Kulturgüter deponiert.

Herrenhäuser - Dieses Verzeichnis, das Anne-Catherine Page 1988 zu bearbeiten begann, sollte die rund 220 patrizischen Herrenhäuser erfassen, die verschiedentlich auch als «Schlösser» bezeichnen werden, obwohl es sich um Landhäuser handelt, die meist mit einem landwirtschaftlichen Betrieb verbunden waren.

Etwa 30 Gebäude wurden vor der Absetzung des Projekts 1996 dokumentiert. Die Arbeit wird namentlich durch eine oder zwei erweiterte Dokumentationen pro Jahr und thematischen Publikationen (Freiburger Kulturgüter – Sonderausgabe) fortgesetzt. 

Dreissig Gebäude wurden bis zur Aussetzung des Projekts 1996 dokumentiert. Eine Wiederaufnahme der Arbeit unter einer weniger aufwendigen dokumentarischen Form wird augenblicklich geprüft; dabei geht es um ein thematisches Verzeichnis in Zusammenhang mit einer eventuellen Publikation, die ursprünglich aus Datenschutzgründen nicht vorgesehen war.

Ländliche Baukultur - Dieses von Jean-Pierre Anderegg 1972 begonnene umfassende Verzeichnis wurde 1987 abgeschlossen. Die in fünfzehn Jahren gesammelten Materialien, insbesondere die Fotosammlung mit Zehntausenden von Aufnahmen, bilden noch heute die wichtigste dokumentarische Grundlage für die Architekturgeschichte des Kantons.

Teil eines grossen nationalen Projekts, das die Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde 1945 lanciert hatte, war die Arbeit die Grundlage für die Veröffentlichung der beiden Bände über die «Bauernhäuser des Kantons Freiburg», die 1979 und 1987 als 7. und 8. Band der von der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde herausgegebenen Reihe erschienen sind.

Die gesamte Dokumentation ist augenblicklich im Archiv des Amtes für Kulturgüter deponiert.

Kunstdenkmäler - Diese Arbeit ist Teil des grossen Publikationsprojekts des Inventars der Kunstdenkmäler aller Schweizer Kantone, das seit 1927 von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK) durchgeführt wird. Von den 15 für den Kanton Freiburg geplanten Bänden sind fünf erschienen.

Marcel Strub veröffentlichte 1956, 1959 und 1964 drei Bände über die Stadt Freiburg. Bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen, konnte er die Arbeiten am vierten, der Profanarchitektur gewidmeten Band nicht mehr abschliessen.

Sein Nachfolger Hermann Schöpfer, der den Seebezirk inkl. die Stadt Murten bearbeitete, veröffentlichte seine Forschungsergebnisse in zwei Bänden, die 1989 und 2000 erschienen.

Ihm folgte 2001 Daniel de Raemy nach, der die Stadt Estavayer-le-Lac bearbeitet. Die Publikation des sechsten Bandes der Reihe widmet sich dieser mittelalterlichen Stadt und soll 2020 erscheinen.

Kunstführer durch die Schweiz - Das Band 4b, das 2012 von der Gesellschaft für Schweizer Kunstgeschichte (GSK) herausgegeben wurde, erwähnt und beschreibt kurz und bündig alle Freiburger Bauten, die als Kulturgüter kantonaler Bedeutung betrachtet werden. Die Videopräsentation ansehen

Verschiedenes - Gezieltere thematische Verzeichnisse wurden für Eisenbahnanlagen (1999), für Transformatorenhäuschen (2002) und für die Schilder der Stadt Freiburg (1991) erstellt. 

Nationale Verzeichnisse

Der Bund sowie verschiedene nationale Verbände und Vereine haben eine Reihe von Verzeichnissen erstellt und finanziert, die sich mit Ortsbildern, Verkehrswegen, Industriestätten, militärischen Bauten und Anlagen, Bahnanlagen sowie historischen Park- und Gartenanlagen befassen. Die hohe Zahl solcher Verzeichnisse zeugt nicht nur von der Erweiterung des Begriffs des Kulturerbes oder Kulturguts, sondern auch von neuen Interessen im Raumplanungs- und Landmanagement-Bereich.

Sobald die Daten dieser verschiedenen Projekte publiziert oder zugänglich gemacht sind, werden sie in das Verzeichnis der unbeweglichen Kulturgüter aufgenommen.

Sperrstelle Löwenberg, 1940-45, östliche Spitze der Verteidigungslinie zwischen Laupen und dem Murtensee, Panzersperre mit vier Höckerlinien, Löwenberg, La Motte. Sperrstelle Löwenberg, 1940-1945, östliche Spitze der Verteidigungslinie zwischen Laupen und dem Murtensee, Panzersperre mit vier Höckerlinien.
Sperrstelle Löwenberg, 1940-1945, östliche Spitze der Verteidigungslinie zwischen Laupen und dem Murtensee, Panzersperre mit vier Höckerlinien. © Alle Rechte vorbehalten - SBC, Frédéric Arnaud
Sperrstelle Löwenberg, 1940-45, östliche Spitze der Verteidigungslinie zwischen Laupen und dem Murtensee, Panzersperre mit vier Höckerlinien, Löwenberg, La Motte. Sperrstelle Löwenberg, 1940-1945, östliche Spitze der Verteidigungslinie zwischen Laupen und dem Murtensee, Panzersperre mit vier Höckerlinien.

Militärbauten - Im Zuge der Armeereform wurde der Rückbau von 14'000 als überflüssig angesehenen Militärbauten (Sperrstellen, Kampf- und Führungsbauten) ins Auge gefasst. Ab 1993 setzte man eine Arbeitsgruppe ein, die ein Verzeichnis dieser Bauten erstellte und ein Rehabilitationskonzept entwickelte, um die «Festung Schweiz» als Zeugen der jüngsten Vergangenheit der Schweizer Geschichte zu erhalten.

Die Kantone Zug, Tessin und Neuenburg dienten als Testregionen. Dank der Arbeit im Gelände, die durch Archivforschungen ergänzt wurde, konnten erste Verzeichnisse erstellt, den Objekten ein Wert (von nationaler, regionaler, lokaler Bedeutung, besichtigt, nicht bewertet) zugeordnet und geeignete Schutzmassnahmen (vollständige oder teilweise Erhaltung, Dokumentation) vorgeschlagen werden.

Im Anschluss an diese Arbeit wurde eine Broschüre herausgegeben, welche die wichtigsten Sperrstellen des Kantons Freiburg vorstellt (Silvio KELLER, Maurice LOVISA und Barbara VOGT SIEGRIST, Militärische Denkmäler in den Kantonen Bern und Freiburg, Inventar der Kampf- und Führungsbauten – Monuments militaires dans les cantons der Berne et de Fribourg. Inventaire des ouvrages de combat et de commandement, Bern 2006). 

Der Bund erstellte ausserdem ein Inventar der militärischen Hochbauten der Schweiz (HOBIM), das die Kasernen und Waffenplätze, die Zeughäuser und Materiallager- und Bewirtschaftungsbauten, die Fahrzeugparks und Panzerhallen, die eidgenössischen Werkstätte und Labors sowie die multifunktionalen Bausysteme aus Sicht des Kulturerbes beurteilt. Die Ergebnisse dieser Bestandsaufnahme wurden ebenfalls publiziert (David KÜLLING (Red.), Dokumentation zum Inventar der militärischen Hochbauten der Schweiz (HOBIM), Bern 2009). 

Historische Parks und Gärten - Das 1971 gegründete Wissenschaftliche Komitee «Historische Gärten und Kulturlandschaften» des Internationalen Rates für Denkmalpflege (ICOMOS) hat den Nationalkomitees den Auftrag erteilt, Listen der schützenswerten Park- und Gartenanlagen zu erstellen. Die kantonal organisierte Erfassung begann in der Schweiz im Jahr 1995.

Begutachtet wurden alle Freiräume, die vor 1960 mit baulichen oder pflanzlichen Mitteln gestaltet wurden: Park- und Gartenanlagen, Alleen, Plätze, Friedhöfe, Sport-, Spiel- und Schulanlagen. Unter Leitung der Kunsthistorikerin Catherine Waeber wurde die 1997 begonnene Liste Ende 2003 abgeschlossen. Mehr als 1'000 Objekte wurden erfasst und beurteilt. Ein Exemplar der Liste ist im Kulturgüteramt deponiert.

Industriekulturgüter - Die Schweizerische Gesellschaft für Technikgeschichte und Industriekultur (SGTI) ist im Jahr 1996 aus der Fusion der Schweizerischen Vereinigung für Technikgeschichte und der Gesellschaft für Industriekultur in Winterthur entstanden. Ihr Ziel ist es, die Erhaltung eines durch Deindustrialisierung, schlichtem Abriss und das systematische Verschwinden der Anlagen und technischen Dokumentationen bei Umnutzungsprojekten bedrohten Industrieerbes zu fördern und dieses zu dokumentieren. Sie gibt eine Fachzeitschrift heraus, das IN-KU-Bulletin. 

Eine zwischen 1990 und 1992 bei allen Gemeinden des Landes durchgeführte Umfrage, erlaubte es, eine erste Liste von 3‘730 Objekten zu erstellen, die ein „indikatives Verzeichnis“ bildet. Im Kanton Freiburg hat das Amt für Kulturgüter 181 Industriegebäude erfasst, von den wasserbetriebenen mittelalterlichen Fabriken bis hin zu den grossen Industrieanlagen des 20. Jahrhunderts. Erweiterte Dokumentationen wurden für Gebäude, die vom Abriss bedroht sind oder umgenutzt werden, und für Anlagen, die nach ihrer Schliessung zugänglich waren, erstellt. Diese Dokumentation ist für Forscher auf Anfrage einsehbar. 

Schützenswerte Ortsbilder - Das ISOS beschreibt und beurteilt den augenblicklichen Zustand der Schweizer Dauersiedlungen, die mehr als zehn Hauptbauten umfassen. Ausgehend von einer morphologischen, räumlichen und baugeschichtlichen Evaluation werden Ortsbilder von nationaler, regionaler oder lokaler Bedeutung unterschieden. Über die reine Beschreibung hinaus dient das Inventar als Entscheidungsgrundlage beim Erhalt von Quartieren oder Einzelbauten.

Die 1976 begonnene Erfassung des Kantons Freiburg wurde 2003 mit der Stadt Freiburg abgeschlossen. Die 55 Ortsbilder nationaler Bedeutung wurden in zwei im Herbst 2005 publizierten Bändern vorgestellt, die im Sommer 2006 durch einen dritten, allgemeinen Synthesebericht ergänzt wurden. Die gesamten Daten des ISOS für den Kanton sind seit dem Herbst 2010 auf dem Geoportal des Kantons Freiburg online abrufbar. 

Historische Verkehrswege - Das Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz (IVS) beruht auf den Artikeln 5 und 6 des Bundesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz (NHG). Es verzeichnet die schützenswerten Strassen und Wege und gibt einen Überblick über die Geschichte des inländischen Verkehrs.

Die Objekte sind hierarchisch als Strecke, Linienführung oder Abschnitt erfasst. Die durch historische Forschungen ergänzten Erhebungen vor Ort ermöglichten eine Einteilung der Wege nach nationaler, regionaler und lokaler Bedeutung.

Der Kanton Freiburg wurde zwischen 1988 und 2003 hauptsächlich von Jean-Pierre Dewarrat und Laurence Margairaz erfasst. Kopien ihrer Untersuchungen und Arbeitsblätter sind im Amt für Kulturgüter deponiert.

Das gesamte Verzeichnis des IVS für den Kanton ist seit dem Herbst 2010 auf dem Geoportal des Kantons Freiburg online abrufbar. 

Nützliche Links

ISOS - Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz www.bak.admin.ch/isos
Viastoria - Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz www.viastoria.ch/
ADAB - Inventar der Kampf- und Führungsbauten www.ar.admin.ch
LGAS - Liste historischer Gärten und Anlagen der Schweiz www.icomos.ch
KdS - Die Kunstdenkmäler der Schweiz www.gsk.ch

 

 

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