Die Pilgerfahrt zu Marguerite Bays

Die Pilgerfahrt zu Marguerite Bays

Arbeitszimmer von Marguerite Bays
Arbeitszimmer von Marguerite Bays © Alle Rechte vorbehalten
Die Pilgerfahrt zu Marguerite Bays (La Pierraz)

 

Am 29. Oktober 1995 wurde Marguerite Bays (1815–1879), eine bescheidene Schneiderin aus dem Glanebezirk, von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen. Tausende von in- und ausländischen Pilgern suchen das ganze Jahr hindurch, im Sommer per Autobus, die Orte auf, an denen sie lebte: ihr Zimmer im Elternhaus in La Pierraz (Weiler in der heutigen Gemeinde Siviriez), die Kapelle Notre-Dame du Bois in Villaraboud und die Zisterzienserinnenabtei La Fille-Dieu bei Romont, welche die «Dienerin Gottes» gerne aufsuchte und in die eine ihrer Patentöchter eintrat. Man betet auch in der Kapelle, die seit 2000 für sie in der Kirche von Siviriez eingerichtet ist und in der ihre sterblichen Überreste ruhen. Zu der Messe, die am 27. jedes Monats (M. B. starb am 27. Juni) zu ihrem Andenken in der Kirche von Siviriez gehalten wird, strömen jeweils Hunderte von Gläubigen.

 

Die 1968 errichtete Fondation Marguerite Bays, die rund zehn Mitglieder um­fasst, unterstützt das Heiligsprechungsverfahren und ist insbesondere für liturgische Veranstaltungen, die Website und den Empfang der Pilger zuständig. Die Pilger werden gastfreundlich, doch schlicht empfangen; sie können sich in einem dazu eingerichteten Raum ausruhen und ein warmes Getränk zu sich nehmen. In Zusammenarbeit mit dem Tourismusbüro bietet die Stiftung zwei Strecken an für jene, die zu Fuss oder per Velo eine Wanderung oder Fahrt «auf den Spuren von Marguerite Bays» unternehmen wollen.

Laut zeitgenössischen Historikern, die sich mit diesem Thema befassen, hat sich die Darstellung dieser Mystikerin mit ihren vom Vatikan anerkannten Tugenden im Laufe der Zeit verändert. Wie die Quellen zeigen, wurde ihr Engagement in der Kirche und für die Armen bei ihrem Tod anders dargestellt als nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (Patrice Borcard). Zudem sind die Gesichtszüge der frommen Schneiderin bis heute geheimnisumwoben; ihr Porträt wurde erst nach ihrem Tod angefertigt (Patrice Borcard).

Dessen ungeachtet wird Goton de la Pierraz, wie man sie nannte, seit Jahrzehn­ten verehrt, und ihre Seligsprechung hat den Kult, der um sie betrieben wird, weiter verstärkt. Der Rückgang der religiösen Betätigung, der gegenwärtig in der katholischen Kirche festzustellen ist, wirkt sich also nicht auf den Besuch der Orte aus, die der seligen Marguerite vertraut waren, ganz im Gegenteil.

Bemerkungen
Die beiden Strecken, welche die Pilger «auf den Spuren von Marguerite Bays» absolvieren können, führen zum einen von Siviriez über La Pierraz zur Kapelle Notre-Dame du Bois in Siviriez und zurück, zum anderen auf einem längeren Parcours von Siviriez zur Zister­zienserinnenabtei La Fille-Dieu bei Romont.

 

Sehen - Hören

RTS: Sendung Temps présent vom 19. August 2009 (48'10'')

 

Links

Stiftung Marguerite Bays

Tourismusbüro Romont und Region: Sur les pas de Marguerite Bays

Referenzen

Referenzen und Bibliographie

Autor

Florence Bays

Übersetzung: Hubertus von Gemmingen

Ähnliche News