Das Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann und für Familienfragen (GFB) ist administrativ der Direktion für Gesundheit und Soziales angegliedert. Es wurde vom Staat beauftragt, den Grundsatz der Gleichstellung von Frau und Mann anzuwenden und sich für die Beseitigung jeglicher Form rechtlicher und tatsächlicher Diskriminierung einzusetzen. Das GFB verfolgt eine auf die Interessen von Familien ausgerichtete Politik, koordiniert die Bekämpfung von Gewalt in Paarbeziehungen und setzt sich für die Gleichstellung in den Bereichen Arbeit, Erziehung, Bildung, Politik und Gesellschaft ein.
Wichtige Ereignisse
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Das GFB feierte am 7. November 2024 sein 30-jähriges Bestehen in der Wandelhalle (Rathaus Freiburg). An diesem schönen Moment des Miteinanders nahmen die verschiedenen Partnerinnen und Partner des politischen, wirtschaftlichen und sozialen Ökosystems des Kantons Freiburg teil, mit denen das BEF im Laufe der Jahre wichtige Beziehungen aufgebaut hat. Dieses Jubiläum war eine besondere Gelegenheit, um eine Bestandsaufnahme der zahlreichen vergangenen, aktuellen und zukünftigen Herausforderungen rund um die Gleichstellung zu machen.
Das GFB wurde 1994, einige Jahre nach den ersten Frauenstreiks, gegründet und hat einen weiten Weg zurückgelegt, der zur Realisierung der folgenden wichtigen Projekte führte: Fachbibliothek «La Grenade», Familienordner sowie erster Plan für die Gleichstellung von Mann und Frau in der kantonalen Verwaltung (PGKV) und erstes Freiburger Konzept zur Bekämpfung von Gewalt in Paarbeziehungen. Das GFB hat Impulse für verschiedene Themen gegeben und seine Teams haben seinen Auftrag umgesetzt und weiterentwickelt. Es hat weiterhin die Funktion einer Beobachtungsstelle, liefert aber auch Analysen und ist Impulsgeber.
Trotz dieser 30-jährigen Bemühungen ist der Weg zu einer gleichberechtigten und diskriminierungsfreien Gesellschaft noch weit. Das Jubiläum hat gezeigt, dass sich das GFB angesichts der gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen als eine wichtige staatliche Einrichtung im Dienste einer gleichberechtigten Gesellschaft im Kanton behauptet.
Der Höhepunkt der Veranstaltung war die Vorpremiere der Jubiläumspublikation des GFB mit dem symbolischen Namen «(Retro)viseur».
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Die Geschichte der 30 Jahre GFB wurde in der Jubiläumspublikation «(Retro)viseur» nachgezeichnet, einem originellen Magazin in Form von Interviews, Cartes blanches und Zeitungsausschnitten. Die wichtigsten Arbeitsschwerpunkte des GFB werden darin aus einem historischen Blickwinkel, aber auch mit Blick auf aktuelle Herausforderungen behandelt. Verschiedene Fachleute, Expertinnen und Experten, Praktikerinnen und Praktiker sowie Kunstschaffende aus der Region Freiburg haben zu diesem Werk beigetragen.
Das Magazin kann kostenlos beim GFB bestellt werden (gfb@fr.ch), solange der Vorrat reicht.
Ordentliche Tätigkeit
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Auf nationaler Ebene pflegt das GFB folgende Mitgliedschaften:
- Schweizerische Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten (SKG), 2 Sitzungen im Jahr 2024, aktiv in der angegliederten Gruppe für Rechtsfragen, 4 Sitzungen im Jahr 2024;
- EGALITE.CH (Konferenz der Westschweizer Gleichstellungsbüros), 4 Sitzungen im Jahr 2024;
- Schweizerische Konferenz gegen häusliche Gewalt (SKGV), jährliches nationales Treffen;
- La Conférence latine contre la violence domestique (CLVD), 4 Sitzungen 2024;
- Steuerungsausschuss «Nationaler Zukunftstag»;
- Steuerungsausschuss der Ausstellung «Plus fort que la violence/Stärker als Gewalt», das GFB gewährleistet zusätzlich die Koordination der Ausstellung;
- Schweizerische Konferenz der Schlichtungsstellen nach Gleichstellungsgesetz (SKS) als Sekretariat der Kantonalen Schlichtungskommission für die Gleichstellung der Geschlechter im Erwerbsleben (SKGLEICH), keine Sitzung im Jahr 2024, da sie nur alle 2 Jahre zusammentritt.
Das GFB beteiligt sich regelmässig an den Arbeiten des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG). Ausserdem nahm das GFB-Team im Dezember an den Assises romandes de l'égalité in Bern teil.
All diese Instanzen setzen sich auf interkantonaler und nationaler Ebene mittels Stellungnahmen, Aktionen, gemeinsamen Projekten, Koordination und Öffentlichkeitsarbeit für die Förderung der gesetzlichen und tatsächlichen Gleichstellung von Frau und Mann und für die Bekämpfung von häuslicher Gewalt ein. -
Das GFB führt das Sekretariat mehrerer Kommissionen:
- Kommission für die Gleichstellung von Frau und Mann und für Familienfragen, 4 Sitzungen im Jahr 2024;
- Schlichtungskommission für die Gleichstellung der Geschlechter im Erwerbsleben (SKGLEICH, früher SKGG);
- Kantonale Kommission gegen Gewalt in Paarbeziehungen, die das GFB auch präsidiert, 3 Sitzungen im Jahr 2024; sie wurde auch zwischen diesen Sitzungen aufgeboten, um das neue Konzept Gewalt in Paarbeziehungen, das 2025 in die Vernehmlassung gegeben werden dürfte, auszuarbeiten.
Das GFB antwortet auf interne Vernehmlassungen der Kantonsverwaltung und auf Vernehmlassungen des Bundes. 2024 hat es 14 Stellungnahmen verfasst.
Das GFB war an den Antworten des Staatsrats im Rahmen von parlamentarischen Vorstössen beteiligt:
- Volksmotion 2023-GC-123 der Grossräte Leonardo Gomez Mariaca, Philippe Haenni, Dario Goedtkindt, Maxime Lepore und Alexandre Korkia «Für einen Elternschaftsurlaub, jetzt!» unter der Leitung der GSD;
- Standesinitiative 2023-GC-234 von Grossrätin Liliane Galley und Grossrat Alexandre Berset «Elternurlaub – Schaffung der notwendigen Gesetzesgrundlagen» unter der Leitung der GSD;
- Anfrage 2023-GC-290 der Grossräte Ivan Thévoz und David Papaux «Ungleichstellung im Freiburger Gleichstellungsbüro» unter der Leitung der GSD;
- Anfrage 2021-CE-169 der Grossrätinnen Anne Favre-Morand Anne und Christel Berset «Ein Jahr später: Wird genug gegen LGB-feindliche Straftaten unternommen?» unter der Leitung der SJSD;
- Postulat 2020-GC-208 der Grossrätinnen Anne Favre-Morand und Violaine Cotting-Chardonnens «Prävention gegen homophobe Diskriminierung» unter der Leitung der SJSD;
- Anfrage 2024-GC-197 von Grossrätin Catherine Esseiva «Mehr Einsatz für die generationsübergreifende Integration und die Vielfalt!» unter der Leitung der GSD.
Die Mitarbeiterinnen des GFB nehmen an nationalen und akademischen Kongressen sowie an Kursen in ihren Tätigkeitsbereichen teil, um sich zu vernetzen, wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen und Fähigkeiten zu entwickeln. Beispielsweise nahm die Leiterin des GFB an einer Klausur der Austauschgruppe für Lohngleichheit der SKG teil. Die Arbeitstagung befasste sich mit der aktuellen Zusammenarbeit zwischen dem EBG und den Kantonen, mit Verbesserungsmöglichkeiten bei Prozessen und Schnittstellen in den Verfahren zur Überprüfung der Lohngleichheit und mit dem Austausch von Best Practices zwischen den Kantonen.
Das GFB verfügt über eine Bibliothek mit dem Namen La Grenade, die Teil der Swiss Library Service Platform (SLSP) ist. Die Bibliothek ist auf Anfrage für die Öffentlichkeit zugänglich.
Gleichstellung in der Kantonsverwaltung
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Das GFB leitet die Umsetzung des Plans für die Gleichstellung von Frau und Mann in der kantonalen Verwaltung (PGKV). Seine 25 Massnahmen und Rahmenbedingungen sollen der Sensibilisierung, Information, Bildung, Beratung und dem Austausch dienen.
Die 13-köpfige Arbeitsgruppe des PGKV wurde vom Staatsrat ernannt und trat 2023 einmal zusammen.Der Weiterbildungskurs für Kaderpersonen des Staates «Gleichstellung und Geschlechtervielfalt? Für ein Management, das den heutigen Herausforderungen entspricht» im Rahmen der Massnahmen des PGKV wurde 2024 anlässlich der 7 obligatorischen Einführungsausbildungen für neue Kader erteilt. 108 Kader und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Staates Freiburg konnten so für das Gleichstellungsmanagement sensibilisiert werden. Dieser Kurs ist aus einer Zusammenarbeit zwischen dem GFB und dem Unternehmen Artemia hervorgegangen und wurde 2024 mit der Bereitstellung von zehn Videoclips verbessert. Indem die Teilnehmenden diese Videos im Vorfeld der Weiterbildung anschauen, kann eine gemeinsame theoretische Grundlage geschaffen und rascher zum Austausch zwischen den Teilnehmenden und zu konkreten, praxisnahen Übungen übergegangen werden.
Eine weitere Massnahme des PGKV wurde 2024 in Form eines Pilotprojekts umgesetzt. In Zusammenarbeit mit dem Amt für Personal und Organisation (POA), dem Roten Kreuz und der Fachstelle UND, dem Kompetenzzentrum für die Umsetzung der Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben, hat das GFB drei Informationsveranstaltungen in Deutsch und Französisch für Eltern und künftige Eltern beim Freiburger Staatspersonal durchgeführt. Diese Ausbildung wurde von 51 Teilnehmerinnen und Teilnehmern besucht, die ein positives Feedback gaben. Am 10. April 2025 wird eine weitere Informationsveranstaltung stattfinden und es werden Überlegungen angestellt, wie das Format dieser Informationsveranstaltungen verbessert werden kann, um die Zielgruppe besser zu erreichen und die Informationen jederzeit zugänglich zu machen.
Im Juli 2024 und ebenfalls im Rahmen des PGKV organisierte das GFB einen Workshop für die Verwaltungseinheiten. Ziel des Workshops war es, Herausforderungen, Erfahrungen und Best Practices zur Unterstützung und Entwicklung des Themas Geschlechtergleichstellung in der Freiburger Kantonsverwaltung zu identifizieren und auszutauschen. Die Überlegungen aus diesem Workshop werden in die Entwicklung des neuen PGKV-Aktionsplans einfliessen.
Gleichstellung im Arbeitsleben und Anwendung des Gleichstellungsgesetzes
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Im Jahr 2024 wurden dem GFB 14 Fälle von Diskriminierung aufgrund des Geschlechts (Lohn, Einstellung, Beförderung, Aufgabenzuweisung, Gestaltung der Arbeitsbedingungen und Entlassung, insbesondere im Zusammenhang mit Mutterschaft) sowie 21 Fälle von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz gemeldet. Es ist anzumerken, dass die Fälle im Zusammenhang mit sexueller Belästigung im Vergleich zum Vorjahr zugenommen haben. In einem dieser Fälle wurde die kantonale Schlichtungskommission für die Gleichstellung der Geschlechter im Erwerbsleben (SKGLEICH) angerufen, doch die Schlichtungssitzung fand nicht statt, da die Klägerin ihren Antrag zurückgezogen hat. Das GFB hat auch zwei Rechtsgutachten im Zusammenhang mit dem Gleichstellungsgesetz verfasst, eines für das Kantonsgericht, das andere für eine Direktion des Staates Freiburg.
Im Jahr 2024 stellte das GFB bei drei Gelegenheiten das Thema sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz bei verschiedenen Institutionen und Hochschulen vor.
Das Amt für Wald und Natur (WNA) hat das BFU um die Teilnahme an einer Arbeitsgruppe zur Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben der Wildhüterinnen-Fischereiaufseherinnen/Wildhüter-Fischereiaufseher gebeten. Die Juristin des GFB arbeitete während des gesamten breit angelegten Prozesses eng mit dem WNA zusammen. Sie verfasste unter anderem eine rechtliche Analyse der geltenden gesetzlichen Bestimmungen zur Schlichtung.
Die Juristin des GFB arbeitet zusammen mit der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg an der Einrichtung einer Plattform für die Meldung von Fällen sexueller Belästigung. Sie nahm an mehreren Sitzungen der eingesetzten Arbeitsgruppe teil und bereitete eine Schulung vor, die 2025 für Medizinstudierende angeboten werden soll.
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Im Rahmen der kantonalen Strategie für nachhaltige Entwicklung des Staates Freiburg 2021-2031 wurden dem GFB Beträge zugesprochen, um die Gleichstellung von Frauen und Männern im Berufsleben voranzutreiben. Drei Personen aus dem Team des GFB, verteilt auf 1.3 VZÄ, konnten so ein Informations- und Sensibilisierungsprojekt für Freiburger Unternehmen entwickeln.
Im Jahr 2024 fand eine Sitzung zwischen der kantonalen Delegierten für Nachhaltigkeit und dem GFB statt, um diese Massnahmen weiterzuverfolgen. Ausserdem ist das GFB Teil des Netzwerks der Ansprechpersonen für nachhaltige Entwicklung des Staates Freiburg und nimmt an dessen Sitzungen teil. Das GFB hat sich auch aktiv an den Arbeiten zur Bilanzierung des ersten Aktionsplans und zur Erneuerung des Aktionsplans 2027-2031 der Strategie Nachhaltige Entwicklung des Staates beteiligt.
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Das GFB baut sein Unternehmensnetzwerk zur Förderung der Gleichstellung in der Berufswelt dank seiner Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber- und der Fédération Patronale et Economique (FPE-CIGA) und der Hochschule für Wirtschaft Freiburg (HSW-FR) weiter aus.
Im Jahr 2024 musste ein in Partnerschaft mit dem FPE-CIGA organisierter Workshop über Karrieren und Nachwuchs aufgrund mangelnder Anmeldungen abgesagt werden. Im Jahr 2025 wird eine neue Veranstaltung in einem neuen Format stattfinden, um eine grössere Beteiligung von Unternehmen zu fördern.
Eine neue Partnerschaft wurde 2024 mit der Koordinatorin für den Kanton Freiburg des Swiss Triple Impact (B Lab Schweiz) entwickelt. Im Rahmen eines Workshops, der online auf der Veranstaltungsplattform des STI abgehalten wurde, konnte das GFB seinen Ansatz bei der Information und Begleitung von Unternehmen im Kanton Freiburg im Bereich des Managements der Gleichstellung vorstellen. Diese Präsentation wurde durch einen Erfahrungsaustausch mit einem Unternehmen vor Ort ergänzt.
Das GFB hat sich im Sommer 2024 mit dem neuen Direktor der Handels- und Industriekammer des Kantons (HIKF) getroffen. Bei diesem Treffen wurden mehrere Möglichkeiten der Zusammenarbeit erörtert.
Im Übrigen hat die Hochschule für Wirtschaft Freiburg auf Anregung des GFB zum zweiten Mal einen Wahlfachkurs für die Studierenden des dritten Jahres des Bachelors in Betriebswirtschaftslehre geplant. Die Zahl der angemeldeten Personen konnte 2024 gesteigert werden, was das Interesse an dieser Ausbildung belegt. In 28 Unterrichtseinheiten wurden verschiedene Facetten der Gleichstellung in Unternehmen untersucht, so etwa Karrierechancen, sexuelle Belästigung, die Bedeutung der Infrastruktur und die Lohngleichheit. Die Studierenden wurden in praktischen Übungen gefordert, z. B. beim Verfassen einer Gleichstellungs-Charta. Diese Partnerschaft wird mit Mathias Rossi, Professor und Beauftragter für Chancengleichheit der Fachhochschule Westschweiz, realisiert. Er betont, wie wichtig es ist, diese Themen mit Studierenden im letzten Studienjahr zu behandeln.
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Im Rahmen seines Projekts «Gleichstellung im Unternehmen» hat das GFB in einer Broschüre die wichtigsten Instrumente eines gleichstellungsorientierten Managements für die konkrete Umsetzung von Gleichstellung und Geschlechterparität zusammengestellt. Die zweisprachige Broschüre ist auf der Website des GFB abrufbar und wurde 2024 an Privatunternehmen, das Netzwerk des GFB und die Gemeinden des Kantons verteilt, wobei insgesamt 880 Kontakte verzeichnet wurden.
Das GFB arbeitet an der Entwicklung eines Kits, um möglichst vielen Freiburger Privatunternehmen die Möglichkeit zu geben, sich das Wissen und die Instrumente, die vom Büro entwickelt und zur Verfügung gestellt werden, auf praktische und autonome Weise anzueignen. Der Inhalt des Kits versteht sich als Erweiterung und Ergänzung der oben genannten Broschüre. Es ist so konzipiert, dass es sich an die Gegebenheiten in den Unternehmen anpasst. Das Kit soll ein Video und E-Learning-Module enthalten.
Gleichberechtigung in Bildung und Ausbildung
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Das GFB hat auch im Jahr 2024 auf kantonaler Ebene die 24. Ausgabe des Nationalen Zukunftstages «Neue Perspektiven für Mädchen und Jungs» durchgeführt.
Das GFB koordiniert diesen nationalen Tag für den Kanton Freiburg, der am 2. Donnerstag im November stattfindet. Der Tag soll den Schülerinnen und Schülern der 7H und 10H Berufsfelder ausserhalb von Geschlechterstereotypen näherbringen.
So konnten die Schülerinnen und Schüler der 7H am Basisprogramm teilnehmen, indem sie einen Tag lang eine Person aus ihrem Umfeld begleiteten, die einen geschlechtsuntypischen Beruf ausübt.
Im Jahr 2024 nahmen 357 Schülerinnen und Schüler in der 10H an den Workshops teil, die in Freiburg in Partnerschaft mit den Dachorganisationen, der Direktion für Bildung und kulturelle Angelegenheiten (BKAD), Berufsberaterinnen und -berater und Freiburger Persönlichkeiten organisiert wurden. Insgesamt nahmen 48 deutschsprachige Schülerinnen und Schüler (27 Mädchen und 21 Jungs) und 310 französischsprachige Schülerinnen und Schüler (201 Mädchen und 109 Jungs) teil. 88 Workshops wurden von Unternehmen und dem öffentlichen Sektor im Kanton angeboten, wobei sich 48 Workshops an Mädchen und 40 Workshops an Jungs richteten. Zum Vergleich: Im Jahr 2023 gab es 21 Workshops für Jungs, es haben also wichtige Bemühungen stattgefunden, um die Geschlechterstereotypen zu überwinden. Mädchen konnten an der Hochschule für Technik und Architektur Workshops in den Bereichen Bauingenieurwesen, Maschinenbau, Elektrotechnik, Architektur oder Chemie besuchen. Sie konnten sich auch in die Berufe Informatikerin, Elektronikerin, Automatikerin oder Polymechanikerin an der Berufsfachschule oder in die Naturberufe am Landwirtschaftliches Institut Grangeneuve einführen lassen. Die Jungs ihrerseits konnten die Pflegeberufe an der Hochschule für Gesundheit Freiburg, an der Berufsfachschule Soziales-Gesundheit (ESSG), in einem Pflegeheim oder beim Freiburger Netzwerk für psychische Gesundheit kennenlernen.
Der Workshop «Ein Tag als Chefin» konnte 2024 erneut angeboten werden: Acht Frauen in Führungspositionen erklärten sich bereit, zwischen zwei und acht Mädchen einen Einblick in ihren Alltag als Chefin zu geben. An diesen Workshops nahmen unter anderem Magalie Goumaz, stellvertretende Chefredakteurin von La Liberté, Sylvie Bonvin-Sansonnens, Staatsrätin, Lise-Marie Graden, Oberamtsfrau, Nadine Gobet, Direktorin der FPE-CIGA sowie Claudia Lauper und Nicole Oswald, Generalsekretärinnen der BKAD, teil.
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Das nächste START! Forum der Berufe findet vom 18. bis 23. Februar 2025 im Forum Fribourg statt. Das GFB wird dort mit einem Stand vertreten sein, die entsprechenden Vorbereitungen haben im Jahr 2024 begonnen.
Das GFB wird sich weiterhin dafür einsetzen, die geschlechts- und berufsspezifischen Stereotypen in der Berufswelt zu bekämpfen und den Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, ihre beruflichen Perspektiven zu erweitern. Das GFB wird in Begleitung von Lernenden und Studierenden die Besucherinnen und Besucher in Form eines Videospiels und eines Wettbewerbs sowie durch die Gestaltung von Pins mit Slogans zur Förderung der Gleichstellung dazu anregen, sich Gedanken über die Gleichstellung bei der Berufswahl zu machen.
Gleichstellung, Gesellschaft, Familie und Politik
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«Freiburg für alle» und das GFB bieten ergänzende Dienstleistungen an. Im Jahr 2024 wurde die Zusammenarbeit zwischen den beiden Teams fortgesetzt. So arbeiteten die beiden Fachstellen gemeinsam an der Entwicklung eines Tools zu den Herausforderungen und Folgen von Trennung und Scheidung für verheiratete und unverheiratete Paare. Ein U-Bahn-Streckenplan veranschaulicht ganz konkret die Etappen für Personen mit Wunsch nach Trennung oder Scheidung, die verstehen müssen, welche administrativen, rechtlichen und sozialen Schritte zu unternehmen sind. Nützliche Adressen von zuständigen staatlichen Stellen oder privaten Organisationen ergänzen den Streckenplan. Daraus entstanden zwei spezifische Faktenblätter. Das erste Faktenblatt für Ehepaare in Deutsch und Französisch kann kostenlos beim GFB bezogen werden. Das zweite Faktenblatt befasst sich mit den Herausforderungen und Folgen der Trennung von unverheirateten Paaren. Dieser für die Schweiz wegweisende Leitfaden wird 2025 erscheinen.
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Im Jahr 2024 wurde das GFB zu verschiedenen Treffen mit politischen Gruppierungen und anderen Organisationen eingeladen, um seine Arbeit und Themen zu präsentieren.
Das GFB ist durch seine Leiterin im Vorstand des Vereins Pro Familia Freiburg vertreten. Damit setzt es sich für die Förderung einer umfassenden und kohärenten Familienpolitik im Kanton und für die Vernetzung in diesem Bereich ein. Im Rahmen eines seiner Ziele – Information der Familien – nutzt Pro Familia Freiburg die Webseite www.familien-freiburg.ch (auch «Familienordner» genannt), die vom GFB unterhalten und aktualisiert wird. Der Familienordner ist ein umfassendes Informationsverzeichnis für Familien und behandelt mehrere Bereiche des täglichen Lebens.
2024 arbeitete das GFB eng mit dem Sektor Soziale Aktion und Familienpolitik des Kantonalen Sozialamts (KSA) an der Ausarbeitung eines Familiennetzwerks für den Kanton Freiburg zusammen, das 2025 entstehen soll. Dieses Projekt ist Teil eines Postulats, das 2019 im Grossen Rat eingereicht wurde und den Staatsrat beauftragt, eine umfassende Analyse der Freiburger Familienpolitik durchzuführen. Der Bericht vom 26. September 2023 enthält neben statistischen Daten über Freiburger Familien auch die Ergebnisse einer Studie des Evaluationsbüros Interface über die Angemessenheit der Leistungen oder Massnahmen für Familien im Hinblick auf ihre Bedürfnisse. Es wurde festgestellt, dass die Familienpolitik besser koordiniert werden muss. Das Familiennetzwerk als Kompetenz- und Begegnungszentrum für die verschiedenen Akteurinnen und Akteure der Familienpolitik wird diesem Bedarf konkret Rechnung tragen.
Das GFB, vertreten durch seine Leiterin und interne Fachleute, beantwortete mehrere Medienanfragen zu aktuellen Themen, insbesondere zur Gleichstellung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt, zu Frauenrechten und zu Gewalt in der Ehe. Auch über das Jubiläum des GFB wurde in den Medien berichtet.
Bekämpfung von Gewalt in Paarbeziehungen
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Die Häufigkeit von Gewalt in Paarbeziehungen bleibt trotz besserer und effizienterer Hilfsangebote stabil.
Das GFB koordiniert die im kantonalen Konzept zur Bekämpfung von Gewalt in Paarbeziehungen (das Konzept) vorgesehenen Massnahmen und deren Auswirkungen auf die Familie in Zusammenarbeit mit den Institutionen, Ämtern und Vereinen, die Mitglieder der kantonalen Kommission gegen Gewalt in Paarbeziehungen sind.
Das Konzept aus dem Jahr 2018 sieht 33 Massnahmen vor, die sich in neun Handlungsschwerpunkte gliedern. Im Anschluss an seine Analyse begann die kantonale Kommission gegen Gewalt in Paarbeziehungen 2023 mit der Erstellung eines neuen Konzepts und setzte ihre Arbeit 2024 fort. Das erste Konzept legte die strukturellen Grundlagen für ein umfassendes politisches Konzept zur Bekämpfung von Gewalt in Paarbeziehungen und ermöglichte die Koordination eines effizienten kantonalen Angebots. Das neue Konzept zielt darauf ab, das erste Konzept zu verfeinern und es in einigen Punkten zu verbessern. Zudem hebt es einige zukünftige Herausforderungen hervor, wie die Berücksichtigung von psychologischer Gewalt in ihren zahlreichen Varianten, Gewalt nach einer Trennung oder auch die Erziehung zur Gleichberechtigung als Grundlage für einen nachhaltigen und konsequenten gesellschaftlichen Wandel. Das neue Konzept wird dem Staatsrat Anfang 2025 vorgelegt.
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Am 4. Juni 2024 organisierte das GFB in Partnerschaft mit dem Freiburger Netzwerk für psychische Gesundheit (FNPG) eine Fortbildung mit dem Titel «Profils des auteurs de violence conjugale et prédicteurs de l’abandon thérapeutique». Audrey Brassard, klinische Psychologin und Titularprofessorin an der Universität Sherbrooke Kanada, stellte ihre Arbeit vor, die darauf abzielt, ein Porträt der Merkmale von mehr als 3000 Täterinnen und Tätern häuslicher Gewalt zu erstellen, die in einer der 20 spezialisierten Einrichtungen in Quebec eine Therapie beginnen. Die Forscherin stellte auch die psychosozialen und rechtlichen Faktoren dar, die mit dem Therapieabbruch in Verbindung gebracht werden und die sich aus einer Teilstichprobe von 400 Täterinnen und Tätern ergaben. Schliesslich hob sie den engen Dialog mit den Interventionsteams hervor, um die Massnahmen auf der Grundlage ihrer Forschungsergebnisse zu optimieren.
Diese Präsentation wurde durch eine Podiumsdiskussion ergänzt, an dem einige Akteurinnen und Akteure des kantonalen Netzwerks gegen Gewalt in Paarbeziehungen teilnahmen und sich Gedanken machten, was die Erfahrungen in Quebec für die Betreuung von Täterinnen und Tätern häuslicher Gewalt im Kanton Freiburg bedeuten.
An der Veranstaltung, die mit einer Ausbildungsbestätigung abgeschlossen wurde, nahmen etwa 70 Personen teil, darunter auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus anderen Kantonen. Die Rückmeldungen waren sehr positiv.
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Die Prävention von Gewalt in Paarbeziehungen bei Jugendlichen gehört zu den Schwerpunkten des Konzepts. Im Jahr 2019 wird von der GFB und der Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt des Kantons Bern die zweisprachige und interaktive Ausstellung «Plus fort que la violence / Stärker als Gewalt» initiiert und realisiert. Sie ist ein geeignetes Instrument, um mit Jugendlichen im Alter von 15 bis 25 Jahren über häusliche Gewalt zu sprechen.
Im Jahr 2024 wurde die Ausstellung im Collège du Sud in Bulle gezeigt. Insgesamt wurde sie von 21 Schulklassen in Begleitung von Betreuerinnen und Betreuern des kantonalen Netzwerks gegen Gewalt in Paarbeziehungen besucht. Das GFB begleitete 6 Besuche aus Politik- und Fachkreisen sowie 3 Besuche von Privatpersonen während eines öffentlichen Tages.
Die Ausstellung wurde mit neuen Inhalten angereichert, um die Istanbul-Konvention auf attraktive Weise zu präsentieren. In Bern diente sie in der Berufsschule Gibb als Kulisse und als Beispiel für eine kantonale Massnahme anlässlich der Präsentation des Zwischenberichts des Nationalen Aktionsplans zur Umsetzung der Istanbul-Konvention vor den Medien und einigen Politikerinnen und Politikern, die an einem nationalen Dialog über Gewalt, Geschlecht und Diskriminierung unter der Leitung von Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider teilnahmen.
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Das GFB hat 2024 im Rahmen von Egalité.ch, der Westschweizer Konferenz der Gleichstellungsbüros, an der Entwicklung eines digitalen Tools zur Prävention von Gewalt in Paarbeziehungen bei Jugendlichen zwischen 15 und 20 Jahren mitgearbeitet. Das Projekt versteht sich als Ergänzung zur Ausstellung «Plus fort que la violence / Stärker als Gewalt». Es wird vom Eidgenössischen Büro für Gleichstellung (EBG) sowie von allen Westschweizer Gleichstellungsbüros, darunter auch dem GFB, finanziell unterstützt.
Wie in den anderen Kantonen wird dieses Projekt auch im Kanton Freiburg in Zusammenarbeit mit den Departementen für Unterrichtswesen und Berufsbildung konzipiert und verbreitet. Das Tool in Form eines Suchspiels wurde mit vier Jugendkommissionen und mehreren Schulklassen in der Westschweiz, darunter zwei Klassen in Freiburg, getestet. Die letzte Version wird die von der Zielgruppe gewünschten Änderungen berücksichtigen, die sie bisher sowohl formal als auch inhaltlich sehr gut aufgenommen hat. Das digitale Tool kann ab dem Schuljahr 2025/2026 eingesetzt werden.
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Die Apotheke ist ein öffentlicher Ort, der ohne Termin zugänglich ist und der von Opfern häuslicher Gewalt möglicherweise aufgesucht wird, um die physischen oder psychischen Folgen der erlittenen Gewalt zu behandeln. Auf der Grundlage dieser Feststellung haben das Bureau de l’égalité entre les femmes et les hommes des Kantons Waadt (BEFH) und die Kantonsapothekerin im Jahr 2022 eine Online-Schulung für das Apothekenpersonal entwickelt.
Die Schulung in Form eines spielerischen Parcours soll Apothekerinnen und Apotheker sowie Pharma-Assistentinnen und -Assistenten für häusliche Gewalt sensibilisieren. Ziel ist es, dass sie einerseits ein ausreichendes Vertrauensverhältnis zu den Opfern aufbauen können, damit sich diese trauen zu sprechen, und andererseits über spezifische Tools und Kenntnisse verfügen, um die Opfer zu erkennen und für eine optimale Betreuung an das Netzwerk zu verweisen.
Das GFB, die Kantonsapothekerin des Kantons Freiburg und das Amt für Gesundheit haben sich 2024 zusammengetan, um diese Online-Schulung nach dem Waadtländer Modell wie in anderen Westschweizer Kantonen auch in Freiburg anzubieten. Dieses Projekt ist Teil des kantonalen Konzepts zur Bekämpfung von Gewalt in Paarbeziehungen und ihrer Auswirkungen auf die Familie und insbesondere der Weiterbildungsmassnahmen zum Thema Gewalt in Paarbeziehungen in Ausbildungen im Gesundheitsbereich.
Da der Kanton zweisprachig ist, arbeitete das GFB in einer vom Wallis geleiteten Arbeitsgruppe an der deutschsprachigen Fassung des Ausbildungsmoduls mit. Im Jahr 2024 wurden auch die vertraglichen Vereinbarungen mit dem Kanton Waadt als Lizenzträger und dem Dienstleister Take Off getroffen. Für 2025 ist geplant, das Modul an die Freiburger Besonderheiten anzupassen und bei den Apotheken des Kanton Freiburg für diese zertifizierende Ausbildung zu werben, mit der Weiterbildungspunkte gesammelt werden können.
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Das GFB beteiligt sich an der interkantonalen Arbeitsgruppe «Kinder im Herzen der Gewalt», die sich mit der Umsetzung der Istanbul-Konvention befasst. Diese Arbeitsgruppe verfasste einen spezifischen Leitfaden zur Ausübung des Besuchsrechts bei Gewalt in Paarbeziehungen («Kontakt nach häuslicher Gewalt»). Anlage 11 des Leitfadens enthält eine Argumentation zum Thema «elterliche Entfremdung» im Zusammenhang mit Gewalt, um die betroffenen Fachkräfte auf die Probleme aufmerksam zu machen, die dieses Konzept mit sich bringen kann. Der Leitfaden wurde 2024 überarbeitet, wobei neue Rechtsprechung und neue wissenschaftliche Erkenntnisse einbezogen wurden. Das GFB verteilte den Leitfaden an das Justizwesen im Kanton Freiburg.
Im Jahr 2024 führte die kantonale Koordinatorin gegen Gewalt in Paarbeziehungen und Mitarbeiterin des GFB im Rahmen des nationalen Treffens der Schweizerische Konferenz gegen Häusliche Gewalt (SKHG) einen Workshop zum Leitfaden für die französischsprachigen Mitglieder der SKHG durch.
Kennzahlen
wurden an der Ausstellung Plus fort que la violence / Stärker als Gewalt während ihrer Tour durch die Schweiz für die Prävention im Bereich häusliche Gewalt sensibilisiert.
haben die Informationsbroschüre zur Gleichstellung in Unternehmen erhalten und wurden über die vom GFB angebotenen Schulungs- und Betreuungsangebote zum Thema gleichberechtigtes Management in Unternehmen im Rahmen von Informationsveranstaltungen oder Workshops informiert.
wurden begleitet, die an ihrem Arbeitsplatz sexuelle Belästigung oder Diskriminierung aufgrund des Geschlechts erfahren haben.